VW präsentiert mobile Powerbank für Schnellladen

Konzern zeigt flexible 100-kW-Einheit aus MEB-Komponenten, die den Aufbau einer Infrastruktur für E-Autos flankieren soll. Auch als Zwischenspeicher für Ökostrom nutzbar.

Powerbank für E-Autos: Mit einer mobilen Ladeeinheit will der VW-Konzern die Ladeinfrastruktur ergänzen. | Foto: VW
Powerbank für E-Autos: Mit einer mobilen Ladeeinheit will der VW-Konzern die Ladeinfrastruktur ergänzen. | Foto: VW
Johannes Reichel

Der Volkswagen Konzern hat einen ersten Ausblick auf die künftige Schnellladestrategie des Unternehmens gegeben. Mit einer unabhängig vom Stromnetz flexibel aufstellbaren mobilen "Powerbank", die sich aus Akkukomponenten des Modularen Elektrobaukastens (MEB) zusammensetzt, will man den Aufbau einer Ladeinfrastruktur bedarfsweise ergänzen. Das gelte etwa auf öffentlichen Parkplätzen in der Stadt, auf Betriebsgeländen oder als temporär eingerichteter Ladepunkt bei Veranstaltungen. Der Anbieter will dabei das Prinzip einer Powerbank aus dem Bereich der Mobiltelefone für E-Fahrzeuge anwenden.

Akku leer? Schneller Tausch der Einheit

Die Ladekapazität liegt bei bis zu 360 kWh und ermögliche im autarken Betrieb das Laden von bis zu 15 E-Fahrzeugen, wie zum Beispiel der neuen ID-Baureihe von VW. Dank Schnellladetechnologie dauere ein Ladevorgang im Schnitt nur 17 Minuten (beim Laden eines Akkus von ca. 28 kWh Akku), verspricht der Hersteller. Unterschreite der Energieinhalt des verbauten Batteriesatzes 20 Prozent, werde die entleerte Ladesäule gegen eine geladene getauscht. An das Stromnetz via Wechselstrom angebunden, soll sich das Batteriepack eigenständig nachladen. Erfolge das Laden der Säule zudem mit grünem Strom, ermögliche die Ladesäule erstmals das Zwischenspeichern von Solar- oder Windenergie – und damit CO2-neutrale Mobilität, wirbt der Anbieter.

„Die mobilen Ladesäulen sind ein entscheidender Schritt zu einem leistungsfähigen Netz von Ladepunkten. Sie können überall bedarfsorientiert aufgestellt werden – mit oder ohne Anschluss an ein Stromnetz", meint Thomas Schmall, Vorstandsvorsitzender der Volkswagen Konzern Komponente.

Diese Flexibilität ermögliche einen komplett neuen Ansatz für den schnellen Ausbau der Ladeinfrastruktur. So könnten etwa Städte lernen, wo die geeignetsten Plätze für einen festen Ladepunkt seien, bevor große Investitionen für den Netzausbau getätigt würden, führt Schmall weiter aus.

"Zudem besteht die Möglichkeit, temporär eine größere Anzahl von Ladesäulen aufzustellen – genau dann und genau dort, wo sie gebraucht werden.“

Die mobilen Ladesäulen ließen sich an definierten Punkten aufstellen und via App leicht finden. Die ersten mobilen Schnellladesäulen sollen im Rahmen eines Pilotprojektes im ersten Halbjahr 2019 am Heimatstandort der Volkswagen AG aufgestellt werden und dort den Aufbau einer Ladeinfrastruktur im Stadtgebiet unterstützen. Ab 2020 soll die Ladesäule auch in anderen Städten und Gemeinden zum Einsatz kommen.

Rasante Bank: Schnellladen mit bis zu 100 kW

Die Ladesäule ermöglicht das DC-Schnellladen mit bis zu 100 kW. Geladen werden können neben E-Autos beispielsweise auch E-Bikes. Gleichzeitig lassen sich bis zu vier Fahrzeuge laden, zwei über DC-, zwei weitere über AC-Anschlüsse. Aus dem bis zu 360 kWh fassenden Batteriespeicher ließen sich so bis zu 15 E-Fahrzeuge laden. Auch die Möglichkeit eines direkten Anschlusses an das Stromnetz besteht, was das Aufladen der Säule durch eine dauerhafte Standard-Netzanbindung bis 30kW via Wechselstrom ermögliche, skizziert der Hersteller weiter.

Durch den direkten Stromanschluss kann das Batteriepaket der Ladesäule rund um die Uhr nachgeladen werden. Dieses stetige Nachladen – und damit Puffern von Energie – reduziere zudem die Belastung des Stromnetzes zu Hauptzeiten.

„Erst wenn ein E-Auto mit nachhaltig erzeugter Energie geladen wird, ist dieses auch CO2-neutral unterwegs. Die Ladesäule bietet erstmals die Möglichkeit, nachhaltig erzeugte Energie zwischenzuspeichern“, wirbt Mark Möller, Leiter Technische Entwicklung der Volkswagen Konzern Komponente.

So könne die Ladesäule zum Beispiel gezielt mit Solar- oder Windenergie geladen werden, die dann an die E-Fahrzeuge abgegeben werde.

Vorteile: Skalierbarkeit und zweites Leben

Die technische Anlehnung am Baukasten ermögliche neben der schnellen Skalierbarkeit den Batterien aus E-Fahrzeugen ein zweites Leben, wenn diese mit der Zeit an Kapazität verlören, führt der Hersteller weiter an. Die "Komponente" ist zudem ab 1. Januar 2019 eine eigenständige unternehmerische Einheit innerhalb des Konzerns. Die mobile Ladesäule stellt eine Eigenentwicklung mit dem Ziel des geschlossenen Lebenszyklus für die Batterie dar, wie der Hersteller weiter mitteilt. Der Produktionsstart ist für 2020 angedacht.