VW konkretisiert Digitalisierungspläne mit Aurora

VW in Vegas: Nachdem der Konzern bekannt gab, mit Aurora zu kooperieren, ließ Volkswagen in Las Vegas weitere Details folgen und bot die Möglichkeit, etwas hinter die Kulissen zu blicken.

"JJ" Johann Jungwirth auf der CES am Nvidia-Stand: Er treibt die Digitalisierung imm Konzern voran. | Foto: G. Soller
"JJ" Johann Jungwirth auf der CES am Nvidia-Stand: Er treibt die Digitalisierung imm Konzern voran. | Foto: G. Soller
Gregor Soller

Johann Jungwirth, VW-intern der Einfachheit halber nur „JJ“ genannt, gilt als großer Digitalisierungstreiber im Volkswagen-Konzern. Das Erfrischende daran: „JJ“ ist als Mensch so unkompliziert und geerdet wie sein Kürzel und ist vielmehr visionärer Startupper und Connectivity-Mensch als Carguy. Und vielleicht gerade deshalb der Richtige, um das Projekt Digitalisierung bei VW mit einer gewissen „Außensicht“ voranzutreiben. Und in Las Vegas wurde zwischen den Zeilen dann auch klar, dass die Verbindung mit Aurora nicht von irgendwoher rührt. Denn den Aurora-Gründer Chris Urmson kennt „JJ“ bereits seit sieben Jahren. Damals war Urmson noch bei Google und dort verantwortlich für das Projekt des selbstfahrenden Google-Cars.

2016 holte er mit Sterling Anderson und Drew Bagnell zwei Topleute von Tesla und Uber ins Aurora-Führungsteam. Glück für VW, dass Jungwirth Urmson schon so lange kannte und um die Qualitäten des Aurora-Teams wusste. Insofern verwundert es nicht, dass „JJ“ dann sehr schnell Kontakt zu Aurora suchte und bereits vor einem Jahr erste Projekte anstieß. Hintergrund: Zur selben Zeit beschäftigte man sich bei Volkswagen intensiv mit dem „Sedric“, der sozusagen die Blaupause für ein konzernneutrales elektrisch angetriebenes Fahrzeug stellt. Und genau dazu passten Auroras Kompetenzen sehr gut. Entsprechend wurde die Zusammenarbeit intensiviert. Dass mittlerweile auch der Hyundai-Konzern bei Aurora angedockt hat, ist laut Jungwirth positiv zu bewerten: Das Thema autonom fahrende Autos sei so komplex, dass man auch hier in „Plattformen“ denken müsse. Und die wiederum seien offen für weitere Kooperationspartner und andere OEMs – auch, um mit deren Ideen und Entwicklungen schneller voranzukommen. Hintergrund: Wenn VW und Hyundai mit Aurora neue Standards entwickeln, werden diese von zwei automobilen „Schwergewichten“ gesetzt – sprich – es stehen im Falle einer Umsetzung auch gleich riesige Stückzahlen dahinter.

Kein Wunder, dass Chris Urmson angesichts der Möglichkeiten für sein Unternehmen regelrecht ins Schwärmen geriet: Er zeigte sich „scher beeindruckt“ vom Elan, mit dem der Volkswagen-Konzern  das selbstfahrende Auto weiterentwickle. Und obwohl VW und Audi hier selbst seit Jahren schon einige Erfolge und Prototypen umgesetzt haben, erhofft sich „JJ“ durch die Aurora-Kooperation einen großen Entwicklungssprung. Am konkretesten umgesetzt würde die Aurora-Technologie zunächst beim Moia-Shuttle. Auf die Frage, ab wann mit Testfahrzeugen zu rechnen sei, überraschte Jungwirth mit der Aussage, dass man noch dieses eine zweistellige Stückzahl auf die Straße bringen wolle – zu Testzwecken. Für 2019 will man dann drei- und 2020 vierstellig werden, um 2021 in eine echte autonom fahrende „Serie“ starten zu können. Damit liegt „JJ“ in seinen Prognosen deutlich vor vielen anderen Herstellern, die das autonome fahren eher „ab 2025“ erwarten.

Ein großer Unterschied ist, dass man bei Aurora respektive VW versucht, das autonome fahren möglichst unabhängig von der Infrastruktur zu entwickeln. Deshalb tüftelt man auch bei Volkswagen in Dresden vehement am Ausbau eines Systems im 5G-Netz, bei dem die Fahrzeuge untereinander kommunizieren und Ampeln unnötig werden könnten. In Hannover testet man derweil in umgebauten T6-Modellen den Einsatz von Werbung oder Infos, laut „JJ“ unter anderem mit Edeka. So könnte ein Umweg über Edeka oder das Anhören von Edeka-Werbung dafür sorgen, dass die Moja-Fahrt umsonst ist. Genaue Geschäftsmodelle müsse man laut Jungwirth aber erst noch eruieren.

Und auch den Serienstart 2021 schränkt „JJ“ gleich wieder ein: Denn so ganz ohne Infrastruktur geht es dann doch nicht, heißt: Städte oder Regionen müssen digital auf den autonomen Einsatz vorbereitet werden – weshalb Jungwirth davon ausgeht, ganz konkret in „zwei bis fünf“ Städten starten zu können. Womit das autonome Fahren und die Verbindung zum öffentlichen Nahverkehr auch bei VW wie bei so vielen Herstellern und ÖPNV-Anbietern zunächst als regionaler „Flickenteppich“ starten wird. Den „JJ“ und die Jungs von Aurora aber schnell und nachhaltig weiterknüpfen könnten.

Was bedeutet das?

Mit „JJ“ Johann Jungwirth hat sich der Volkswagen-Konzern einen „internen Externen“ Spezialisten geholt, der genug gedankliche Distanz zu den Car-Guys und dem Volkswagen-Konzern hat – und deshalb die nötige Agilität und Freiheit mitbringt, das Thema Digitalisierung im Konzern sinnvoll voranzutreiben.