Volkswagen: Nachhaltigkeitsbeirat sieht Konzern auf gutem Weg

Unabhängiges Gremium lobt die Entschlossenheit zur Bewältigung der Dieselkrise und zugleich Einstieg in neue Technologien. Rasche Dekarbonisierung im Dialog mit Stakeholdern sowie Transparenz empfohlen.

Grundsätzlich positive Tendenzen: Der Nachhaltigkeitsbeirat von VW würdigt die Bemühungen des Konzerns, den Wandel zu mehr Nachhaltigkeit zu bewältigen. | Foto: VW
Grundsätzlich positive Tendenzen: Der Nachhaltigkeitsbeirat von VW würdigt die Bemühungen des Konzerns, den Wandel zu mehr Nachhaltigkeit zu bewältigen. | Foto: VW
Johannes Reichel

In seinem ersten Zwischenbericht hat der von Volkswagen mit unabhängigen Persönlichkeiten besetzte Nachhaltigkeitsbeirat dem Konzern ein ordentliches Zeugnis im Bemühen um einen Mobilitätswandel bescheinigt. Das achtköpfige internationale Gremium, dem unter anderem auch der renommierte Klimaforscher Otmar Edenhofer vom Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung sowie Connie Hedegaard, ehemalige EU-Kommissarin für Klimaschutz angehören, soll dessen Fortschritt in Nachhaltigkeitsfragen beurteilen. Eine zentrale Erwartung an den durch die Manipulationen an Diesel-Motoren in Verruf geratenen Konzern sei die "Einführung der E-Mobilität und Maßnahmen zur Dekarbonisierung" gewesen, skizzierte Georg Kell, Sprecher des Nachhaltigkeitsbeirats.

„Die kürzlich erfolgte Ankündigung der Klimaneutralität entsprechend dem Pariser Abkommen ist ein Meilenstein und erhält unsere Anerkennung. Jetzt erwarten wir weitere Schritte in der Dekarbonisierung und im Dialog mit Interessengruppen, damit aus der Krise eine Chance wird", formulierte Kell weiter.

In dem Zwischenbericht sieht der Beirat den technologischen Wandel auf Basis der Konzernstrategie "Together 2025" und der "Roadmap E" prinzipiell auf einem guten Weg. Er hält ihn für entscheidend für die Zukunft des Unternehmens, nennt aber auch weitere Aspekte zur Berücksichtigung. So rät der ehemalige DGB-Chef und Beiratsmitglied Michael Sommer, die gesellschaftlichen und sozialen Folgen für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zu klären. "Und wir müssen auch die Auswirkungen auf die Millionen von Menschen bedenken, die tagtäglich auf eine funktionierende Mobilität angewiesen sind“, warnte der Ex-Gewerkschafter.

Rasche Dekarbonisierung angemahnt - Index zur Prüfung

Das Gremium rät dem Unternehmen zur raschen Dekarbonisierung und zur Einführung eines Dekarbonisierungsindex‘. Damit könne die Klimarelevanz aller Fahrzeuge über deren Lebenszyklus als Vergleichsgröße abgebildet werden. Weiterhin plädiert der Beirat für die verstärkte Anwendung von Messgrößen, um die Fortschritte im Umweltschutz zu dokumentieren.

Der Beirat beurteilt die Intensität und Vielzahl der Maßnahmen zum Kulturwandel im Konzern grundsätzlich positiv. Dazu zählt etwa das "Open Source Lab for Sustainable Mobility", das mit Unterstützung des Deutschen Forschungszentrums für künstliche Intelligenz den Dialog mit Stakeholdern über nachhaltige Mobilitätslösungen der Zukunft sucht. Ein weiteres Projekt "Next Generation Policies" analysiert mit dem Mercator Forschungsinstituts für Globale Güter und den Klimawandel wirkungsvolle Strategien gegen Klimawandel und für die Dekarbonisierung des Transportwesens. Im "Forecast-Based Financing" schließlich hilft man mit dem Deutschen Roten Kreuz beim Aufbau eines Frühwarnsystems, um Finanzmittel im Voraus in von Klimakatastrophen bedrohte Regionen in Asien und der Pazifischen Region lenken zu können.

Dialog und Transparenz empfohlen

Darüber hinaus empfiehlt der Beirat die Weiterentwicklung des Dialog mit Politik, NGOs und anderen Interessengruppen auf Faktenbasis und rät zu Transparenz.

„Akzeptanz in der Gesellschaft ist die Voraussetzung dafür, dass Mobilitätslösungen nachhaltig sind“, kommentierte Beiratsmitglied Gesche Joost, Professorin für Designforschung an der Universität der Künste in Berlin.

Lob von dem Gremium erhielt der Konzern für die Entschlossenheit, mit der die Konzernleitung die doppelte Herausforderung aus Bewältigung der Dieselkrise und dem Zwang zur Entwicklung neuer Technologien begegne.