SXSW 2018: Autonomes Fahren zwischen Zen und Rennstrecke

Bei Panasonic verfolgt man einen etwas anderen Ansatz zum Thema autonomes Fahren – und brachte zum Board eine Rennfahrerin und einen Zen-Mönch mit.

Ein buntes und dezentes Board: Die Gruppe um Panasonic. | Foto: G. Soller
Ein buntes und dezentes Board: Die Gruppe um Panasonic. | Foto: G. Soller
Gregor Soller

Auch in Japan beschäftigt man sich mit dem autonomen Fahren, aber teils unter anderen Vorzeichen: Hier geht es um das Altern der Bevölkerung, die zu großen Teilen auch in weniger zentral gelegenen Regionen lebt. Einen Prototypen stellte Yasushi Ishiai von Panasonic vor, der in der Gemeinde Eiheiji erste Runden drehte.

Hisamitsu Kawai, Bürgermeister von Eiheiji unterstützte das Projekt in seiner rund 20.000 Einwohner umfassenden Gemeinde, die auch ein Zen-Kloster beherbergt. Durch die dezentrale Lage war es vergleichsweise einfach möglich, eine „Teststrecke“ für einen autonom fahrenden Prototypen von Panasonic auszuweisen, die einmal rund um die Gemeinde führt und mit „echten“ Problemen, also Fußgängern, parkenden Autos und anderen Hindernissen versehen werden kann. Immer wieder kommt es laut Kawai zu Unfällen mit älteren Personen, dazu kommen teils schneereiche Winter – beides Themen, die mit autonom fahrenden Fahrzeugen gelöst werden könnten.

Dezent auch die Geschwindigkeit des autonomen Zweisitzers, der mit 20 km/h durch Eiheiji fuhr. Gleichzeitig lud der Bürgermeister speziell die ältere Bevölkerungsschicht ein, sich an dem Projekt zu beteiligen und Wünsche oder Kritik zu äußern, um die Entwicklung mit praktischen Tipps zu unterstützen.

Einen etwas anderen Ansatz hat Rennfahrerin Keiko Ihara, die natürlich gern fährt und den Einwand bringt, dass man den Spaß am Fahren verlieren kann, wenn man abgelenkt ist, womit sie indirekt die ersten Stufen des teilautonomen Fahrens kritisiert. Umso wichtiger sei ihrer Meinung nach die Zusammenarbeit aller Beteiligten am Thema – denn ein Team, so ist es im Rennsport – ist immer stärker als der Einzelne.

Das sieht auch Zen-Mönch Yukinori Yokoyama so, der seine Sprechzeit mit der Einladung zu einer kurzen Meditation startet! Er beleuchtet den sozialen Aspekt des autonomen Fahrens und erwähnt, dass – bildlich buddhistisch gesprochen - nicht nur der Bau einer Brücke oder das Bereitstellen einer Fähre – Dienst am Mitmenschen sei, sondern auch eine Industrie, die Produkte entwickelt, die das Leben besser machen. Das gelte auch für das autonome Fahren – wobei es seiner Ansicht nach wichtig ist, dass solche Projekte immer mit Werten aufgeladen sind.

Womit er zurückgibt an Yasushi Ishiai von Panasonic, der erwähnt, dass auch der Panasonic-Gründer Konosuke Matushita mit seinen Geschwistern Mumeno und Toshio Iue 1918 einen solchen sehr umfassenden Ansatz hatte, der Welt etwas zu geben, respektive sie ein bisschen besser zu machen.

Was bedeutet das?

Der japanische Ansatz zum Thema autonomes Fahren ist im Vergleich zu allen anderen Boards zum Thema sehr dezent und allumfassend – mit hohem ethischen und moralischen Anspruch. Man darf hoffen, dass der auch bei allen anderen Unternehmen erhalten bleibt, ist er doch offiziell der Haupttreiber des Themas: Denn immer noch geschehen 90% aller Unfälle durch menschliches Versagen.