Neuer Mercedes Sprinter: Digitale Highlights, Lücken beim Antrieb

Der neue Van setzt Marken mit jüngster Kommunikations- und Assistenztechnologie. Beim Antrieb bleibt man aber beim alten Aggregat, bis ein neuer Diesel und die Elektro-Variante kommt.

Lässt noch warten: Der eSprinter soll 2019 kommen, dann allerdings als Serienfahrzeug. Die ersten Modelle hat sich KEP-Logistiker Hermes gesichert mit einem Gesamtauftrag über 1.500 eVito und eSprinter. | Foto: J. Reichel
Lässt noch warten: Der eSprinter soll 2019 kommen, dann allerdings als Serienfahrzeug. Die ersten Modelle hat sich KEP-Logistiker Hermes gesichert mit einem Gesamtauftrag über 1.500 eVito und eSprinter. | Foto: J. Reichel
Johannes Reichel

Daimler hat die Neuauflage des Mercedes-Benz Sprinter im Rahmen einer Veranstaltung auf der Mercator-Insel in Duisburg vorgestellt. Motorisch bleibt zum Start allerdings fast alles beim alten, die Elektrovariante folgt erst ab 2019. So fährt der Hersteller wider Erwarten statt des neuen OM 654 aus den Pkw-Modellen der Marke weiter den OM 651 mit 2,15-Liter-Motor OM 651 auf, nach dem für Transporter noch bis Ende 2018 gängigen Euro 6/VI-Standard. Darüber rangiert weiter der 3,0-Liter-Sechszylinder-CDI. Das neue Diesel-Aggregat aus dem Konzernbaukasten, das dann die strengere Euro-6dTemp-Norm erfüllt, soll zu einem späteren Zeitpunkt nachgeschoben werden.

Der „Elektro-Sprinter“ verfügt über die Antriebs- und Akku-Techik aus dem bereits vorgestellten eVito, umgesetzt auf Basis der Frontantriebsversion. Dieser wird von einem 84-kW-Elektromotor mit 300 Nm Drehmoment angetrieben, der seine Energie aus 41,4 kWh großen Batteriespeichern bezieht. Das soll für 150 km Reichweite unter allen Betriebsbedingungen genügen. Schnellladefähigkeit soll es im ersten Schritt nicht geben, dafür will der Hersteller eine Acht-Jahres-Garantie auf die volle Leistungsfähigkeit der Akkus geben. Für die V-Klasse und die Pkw-Varianten soll es eine leistungsstärkere Version mit 140 kW geben. Das Elektro-Aggregat selbst stammt aus dem jüngst vorgestellten Mercedes-Benz GLC Fuel Cell.

Beim neuen Sprinter setzt Daimler ein behutsam modernisierendes Design, das den Transporterklassiker sofort als solchen erkennbar macht. Mit der verbreiterten Spur steht er optisch allerdings satter auf der Straße und wirkt stimmiger. Die auffälligste Änderung findet sich in der Frontpartie in Form der schlank gestalteten, mandelförmigen Scheinwerfer, die es wahlweise mit LED-Tagfahrlicht und Voll-LED gibt. Unten in der fließend gestalteten Frontschürze sitzt der Radar für den Abstandstempomaten, der bis zum Stillstand verzögert, sowie eine von vier Kameras, die zusammen einen 360-Grad-Rundblick auf das Fahrzeug im Cockpit ergeben sollen. Dazu tragen auch die dezent integrierten Kameralinsen in den Spiegeln bei. Der jetzt erweitere Spurassistent korrigiert über die Bremse, nicht etwa per Lenkeingriff, falls der Fahrer von der erkannten Spur abweicht. Auf einen Eingriff in die Lenkung, wie sie der VW Crafter vornimmt, verzichtet Daimler, laut einem Entwickler aus Sicherheitsgründen.

Assistenz: Telematik und Konnektivität ab Werk

Die größte Innovation stellt aber das Arsenal an Assistenten von der erwähnten 360-Grad-Kameraperspektive bis hin zur Telematikanbindung über das Mercedes-Benz Pro Connect System dar. Die beiden teureren der vier zur Wahl stehenden Cockpits verfügen über HD-Screens in 10,3“ und 7“. Damit einher geht auch das hochwertigere Bedienmodul für Klima- und Lüftung mit Metallwippen. Der Sprinter darf sich zudem mit dem neuen, sprachgesteuerten Multimediasystem "MBUX" aus dem Konzernbaukasten bedienen, jüngst in der A-Klasse erstmals vorgestellt. Das Farbdisplay im zentralen Instrumentencluster liefert allerdings auch schon alle wichtigen Informationen zum Fahrzeug, dem Fahrstil, Navigation oder Wartung und Service. Exakt ablesen kann man im Display etwa auch Angaben zum AdBlue-Stand. Das auf 22 Liter vergrößerte Reservoir haben die Entwickler nach langem Abwägen wieder im Motorraum platziert, jetzt ist es allerdings besser erreichbar. Ein erstmals im Sprinter verfügbarer Aufmerksamkeitsassistent analysiert die Fahrweise mittels zahlreicher Paramenter und rät gegebenenfalls zur Pause.

Was bedeutet das?

Grundsätzlich hinterlässt der neue Sprinter bei der ersten Begegnung einen hochwertigen Eindruck, Materialauwahl, Kunststoffe und Verarbeitung wirken ansehnlich und bereits im Prototypen fugenfrei verarbeitet. Highlights sind die Konnektivivät und Telematik, die Fahrerassistenz ist jetzt wieder "up to date", so weit in Richtung "autonomes Fahren" wie VW beim Crafter geht der Sprinter aber nicht. Insgesamt gelingt dem erneuerten Sprinter damit eine gute Kombination von Klassik und Moderne. Ein komplett neuer Antriebsstrang und die Elektrovariante lassen allerdings noch auf sich warten. Noch ein Aspekt: Erdgas als Alternative ist für Daimler auch bei den Vans überhaupt kein Thema mehr.