Nachhaltiger Transport: Baden-Württemberg fördert Lastenräder

Verkehrsministerium sieht hohes Potenzial im Einsatz von Cargobikes für innerstädtisches Gewerbe. Förderung weiterhin mit bis zu 3.000 Euro pro Rad.

Cargobikes den Hof gemacht: Im Ehrenhof des Stuttgarter Schlosses versammelte Minister Hermann eine Auswahl von Lastenrad-Anwendern und kündigte Fortsetzung der Förderung an. | Foto: BWMV
Cargobikes den Hof gemacht: Im Ehrenhof des Stuttgarter Schlosses versammelte Minister Hermann eine Auswahl von Lastenrad-Anwendern und kündigte Fortsetzung der Förderung an. | Foto: BWMV
Johannes Reichel

Das Land Baden-Württemberg hat sich für einen verstärkten Einsatz von Lastenrädern im urbanen gewerblichen Verkehr ausgesprochen und investiert weiter in die Incentivierung. „Elektrische Lastenräder können bereits heute sehr viele Autos ersetzen. Wir freuen uns, mit unserer Förderung so einen großen Erfolg zu haben. Wer ein E-Lastenrad fährt, hat sich an die Spitze der Verkehrswende gesetzt“, erklärte Verkehrsminister Winfried Hermann gegenüber mehr als 60 E-Lastenrad-Anwendern, die sich vor kurzem im Ehrenhof des Neuen Schlosses in Stuttgart versammelt hatten. Das Verkehrsministerium hat gemeinsam mit den Förderempfängern ein Foto unter dem Motto „Größte E-Lastenrad-Flotte 2018“ aufnehmen lassen.

Insgesamt hat das Land bisher rund 800 E-Lastenräder gefördert. Die meisten davon ersetzen laut Minister ein Kraftfahrzeug. "Es könnten noch mehr sein, wenn die Kommunen ebenso komfortable Stellplätze für Lastenräder auf der Straße anbieten würden, wie sie es für Pkw tun“, forderte der Minister Hermann. Das Verkehrsministerium fördert auch weiterhin die Anschaffung von E-Lastenrädern im gewerblichen, gemeinnützigen, gemeinschaftlichen und kommunalen Einsatz mit 30 Prozent der Investitionskosten oder maximal 3.000 Euro je E-Lastenrad.

Vielseitiges Anwendungsspektrum

Deutlich wurden bei der Aktion die vielseitigen Einsatzmöglichkeiten von E-Lastenrädern: Vom Steuerberater, der Akten transportiert, bis hin zum Steinmetz mit seinen Hand-werksutensilien.

„Die große Nachfrage nach einer Förderung zeigt auch, dass die Elektromobilität bereits heute nützlich in den Arbeitsalltag unterschiedlichster Branchen integriert werden kann“, resümierte Minister Hermann.

Stellvertretend für die Nutzer führte Steinmetz Heinz Blaschke vor allem die höhere Planungssicherheit als Argument ins Feld. „Als Steinmetzbetrieb müssen auch Materialien und Werkzeuge für Kleinaufträge transportiert werden. Das E- Lastenrad bringt Planungssicherheit für uns und unsere Kunden, da wir nicht mehr ständig im Stau stehen". Die Förderung des E- Lastenrades habe zudem den Impuls gesetzt, Fahrradständer aus heimischem Naturstein zu entwickelnt. Der RadStein ist eine geschützte Marke von Blaschke. "Damit haben wir die Produktpalette erweitert“, meint der Gewerbetreibende.

Was bedeutet das?

Steter Tropfen höhlt den Stein, lautet ein Sprichwort. So allmählich dringt in das Bewusstsein, welche Möglichkeiten in Zeiten des urbanen Dauerstaus sich durch elektrifizierte Lastenräder ergeben. 800 geförderte Cargobikes, das ist dann durchaus eine relevante und wahrnehmbare Größe. Trotzdem: Damit es mehr werden und Lastenräder so allltäglich, wie sie früher im Stadtbild ja schon mal waren, muss sich die Technik inklusive Wartung und Service weiter professionalisieren. Doch hier sind vielversprechende Start-Ups wie Rytle, Citkar oder ONO am Start - und etablierte Ausbauspezialisten wie Sortimo oder Aluca beleben das Geschäft - und VW mit seinem Cargobike sorgt zumindest für Aufmerksamkeit für ein noch immer unterschätztes Verkehrsmittel.