Lamborghini präsentiert den Urus

Unter den Klängen der italienischen Nationalhymne und den Augen des Premierministers Paolo Gentiloni enthüllte Lamborghini den Urus.

Der Name des Urus bezeichnet den Ur-Auerochsen. | Foto. Lamborghini
Der Name des Urus bezeichnet den Ur-Auerochsen. | Foto. Lamborghini
Gregor Soller

So viel gleich vorweg: Der Urus ist in der Summe seiner Eigenschaften weder visionär noch für Flotten tauglich. Auch sein Name ist steinalt: Bezeichnet er doch den Auerochsen, den Vorfahren der Hausrinder, mit dem die spanischen Stiere allenfalls optisch Ähnlichkeiten teilen. Aber der Urus wird ein wichtiger Pfeiler - den Erfahrungen bei Porsche nach zu urteilen - vielleicht sogar der wichtigste Pfeiler der künftigen Lamborghini-Palette werden. Laut Lamborghini-Chef Stefano Domenicali soll der Urus „ein SUV mit dem Können eines Sportwagens" sein.

Was angesichts der Plattform noch zu beweisen wäre: Die teilt er sich nämlich mit dem Audi Q7 und dem Bentley Bentayga. Doch mit 2,2 Tonnen startet er eher am unteren Ende der großen Volkswagen-Konzern-SUV, was die Italiener durch einen geschickten Materialmix aus Carbon, Alu und höchstfesten Stählen erreicht haben wollen.

Unter der flachen Haube kauert erstmals ein Turbomotor – in dem Fall der Vierliter V8-Biturbo-Benziner mit 478 kW / 650 PS und 850 Newtonmeter Maximaldrehmoment. Das soll für einen Spurt auf 100 km/ in 3,6 Sekunden und 305 km/h Topspeed reichen. Das von Carbonbremsen zuverlässig wieder vernichtet werden kann. Nach 33,7 Meter soll er aus 100 km/h wieder stehen. Und wie siehtr es mit der Elektrifizierung aus? Ist schon geplant: Ein Sechszylinder-Plugin-Hybrid wird noch folgen und den Urus in Sachen Trinksitten etwas zähmen. Die Hinterradlenkung sorgt entweder für mehr Agilität und einen kleineren Wendekreis oder für mehr Stabilität und Fahrkomfort sowie für optimale Fahrdynamik.

Ungewöhnlich das hohe Offroad-Potenzial: Der permanente Allradantrieb sorgt bei jeder Witterung und auf jedem Untergrund für Fahrdynamik. Ein zentrales Torsen-Sperrdifferenzial bietet maximale Kontrolle und Agilität unter allen Fahrbedingungen, insbesondere im Gelände. Das Drehmoment wird standardmäßig im Verhältnis 40/60 auf die Vorder-/Hinterachse verteilt, maximal 70% auf die Vorderachse oder 87% auf die Hinterachse. Dadurch wird die Traktion an der Achse mit der besseren Haftung optimiert. Dazu kommen verschiedene Offroad-Fahrprogramme für Sand, Schnee und Schlamm. Und das Programm "Corsa" für die Rennstrecke. Die Kraft verteilt eine Achtgang-Automatik, deren Wählhebel dem Schubhebel eines Flugzeuges gleicht.

Womit wir im Interieur Platz genommen hätten: Das kann in klassischem braun bestellt werden und erinnert an die schrägen Lambo-Supersportler der Siebziger mit teils wilden Instrumentenanordnungen. Die man ein bisschen beibehielt und in dem Fall Jet-Cockpits simuliert: Mit einem großen bunten, frei programmierbaren TFT-Display und „Schubhebeln“ für die Fahrzeugkonfigurationen der Mitte, „Tamburo“ Fahrdynamikschalter genannt. Darüber liegen zwei Screens, die man so ähnlich aus dem Audi A8 kennt. Das Lamborghini Urus Infotainmentsystem (LIS III) verfügt über erweiterte Konnektivitätsfunktionen. Der obere Bildschirm ist die Hauptschnittstelle für Unterhaltung und dient zur Steuerung der Funktionen wie Medien, Navigation, Telefon und Fahrzeugstatusinformationen. Der untere Schirm ist mit einer Tastatur ausgestattet und ermöglicht zudem handschriftliche Eingaben, von Informationen sowie die Steuerung von Funktionen zur Klimaregelung und Sitzheizung. Das Lamborghini Smartphone Interface (LSI) ermöglicht eine voll integrierte Anbindung von Smartphones mit iOS (Apple) und Android (Google) und unterstützt standardmäßig Apple CarPlayTM, Android Auto (90 % Marktabdeckung) und Baidu-Carlife (China).

Das A8-Platzangebot erreicht der Urus trotz 5,11 Meter Länge nicht ganz: Zwar sorgen 3003 Millimeter lange Radstand für ausreichend Beinfreiheit in Reihe zwei, doch das Dach senkt sich schnell über den Häuptern der hinten Sitzenden – ab 1,9 Meter Körpergröße kann es etwas eng werden. Trotzdem achtete man auf Praxisnutzen: Die Fünf-Sitzer-Konfiguration, die Möglichkeit zum Umklappen und Verschieben der Rücksitzbank bietet eine große Vielseitigkeit des Gepäckraums, der nach Umklappen der Rücksitzbank von 616 auf 1.596 Liter wächst. Futuristisch: Zugang gewährt der Urus durch Berühren der Sensorfelder in den Türen und der Heckklappe.

Und was kostet der jüngste Lambo? Lamborghini nennt 171.429 Euro als Netto-Basispreis für Europa. Verkaufsstart soll im Frühjahr 2018 sein.

Was bedeutet das?

Das lang angekündigte Lamborghini-SUV ist da. Inhaltlich keine Revolution, so wie auch die SUV von Rolls-Royce und Ferrari keine Revolutionen werden, die künftig das SUV-Programm für die ganz Schönen und ganz Reichen abrunden werden. Das Problem: SUV wiegen viel (mehr als Sportwagen) und bieten immer eine schlechtere Aerodynamik als Standard-Pkw. Womit sie die Verbräuche und CO2-Werte treiben, weshalb man die Offroader sehr bald elektrifizieren wird und muss.