Irre Ideen: Lamborghini Terzo Millennio

Gemeinsam mit zwei Laboratorien des Massachusetts Institute of Technology geht Lamborghini die ersten Schritte in Richtung eines möglichen elektrischen Supersportwagens.

Der Terzo Millennio nutzt die Karosserie als Energiespeicher. | Foto: Lamborghini
Der Terzo Millennio nutzt die Karosserie als Energiespeicher. | Foto: Lamborghini
Gregor Soller

Das Ergebnis der Kooperation ist das neue Designkonzept „Lamborghini Terzo Millennio“ - der Lamborghini des dritten Jahrtausends. Technisches Ziel war die Vorbereitung eines künftigen Supersportwagens, wobei man neben Design und Emotionalität auch die Themen Energiespeichersysteme, innovative Werkstoffe und Antriebssysteme behandelte.

Interessant ist dabei vor allem die Abkehr von konventionellen Akkus: stattdessen soll der Terzo Millennio seine Energie über Superkondensatoren (Supercaps) erhalten. Wobei man mit den Supercaps schon erste Erfahrungen hat: Dies steht im Einklang mit der Nutzung von Niederspannungs-Superkondensatoren im V12 Aventador, mit der vor fünf Jahren begonnen wurde. Der nächste logische Schritt ist laut Lamborghini jetzt die die Entwicklung eines Speichersystems, das eine hohe Spitzenleistung abgeben und kinetische Energie zurückgewinnen kann. Supercaps haben aber mit Alterung und Zyklenbetrieb zu kämpfen. Außerdem soll es möglich sein, elektrische Energie symmetrisch abzugeben und rückzugewinnen – alles nicht ganz einfach für Supercaps. Die Zusammenarbeit mit der Universität soll die Einschränkungen der heutigen Technologie überwinden und die Kluft zur Energiedichte konventioneller Akkumulatoren zu schließen. Gleichzeitig sollen hohe Leistung, symmetrisches Verhalten und sehr lange Nutzungsdauer der Superkondensator-Technik erhalten bleiben.

Aber auch bei den Werkstoffen will man einen großen Schritt weitergehen: Dass man Carbon kann, steht außer Frage, trotzdem möchte man natürlich auch hier den nächsten Schritt erreichen und noch leichtere Gewichte bei noch besserer Stabilität erzielen. Außerdem wurde bei der Studie untersucht, welches Potenzial der Einschluss von aufladbaren Nanopartikeln in die Carbonfaser-Werkstoffe hat, aus denen die Karosserie des Terzo Millennio besteht. Sie wirken dort wie ein Akkumulator und speichern die Energie über integrierte Nanoröhrchen. Die wilde Idee dahinter war es, auf diese Art die gesamte Fahrzeugkarosserie als Speichersystem zu nutzen!

Außerdem soll der Terzo Millennio soll in der Lage sein, seinen eigenen Zustand zu überwachen, um durch Unfälle verursachte Risse und Schäden an seiner Struktur festzustellen. In diesem Fall würde ein Selbstreparaturvorgang über Mikro-Kanäle ausgelöst, die mit Chemikalien für die Reparatur gefüllt sind, um das Risiko kleiner Risse zu beseitigen, die sich in der Carbonfaser-Struktur ausbreiten könnten. Dies würde eine weitere Gewichtsreduzierung durch verstärkte Nutzung von Carbonfaser oder die Verwendung von CFK für Teile erlauben, die starkem Verschleiß ausgesetzt sind.

Und der Antrieb, das Herz jedes Lamborghini? Übernehmen Radnabenmotoren. In jedes Rad ist ein Elektromotor integriert, was gleichzeitig eine große Freiheit für Designer und Aerodynamiker brachte. Die natürlich einen Ausblick auf zukünftiges Lamborghini Design geben: Dazu gehört die für Lamborghini typische Y-Form bei den Front- und Heckleuchten. Außerdem kann man die Aerodynamik noch viel stärker optimieren. Die Schaffung eines hochmodernen Monocoques, das nur das Energiespeichersystem und, wie bei Rennfahrzeugen, die Sitze für Fahrer und Beifahrer aufnimmt, wird durch Lamborghini Forged-Composites Technologie ermöglicht. Und auch das virtuelle Cockpit bietet Neues: Mittels Fahrsimulator führt ein virtueller Experte den Fahrer über eine Rennstrecke, bevor er selbst übernimmt, um sich in seinem Fahrzeug als Formel-1-Pilot zu erleben, während er dem Ghost Car folgt.

Was bedeutet das?

Über den Sinn von Supersportwagen oder Hypercars mag man streiten: Doch sie bieten riesiges Potenzial, Grenzen zu durchbrechen und komplett neue Ansätze zu denken. Was hier geschah: Während die Optik noch vergleichsweise „gewöhnlich“ ausfiel, verdient der Ansatz mit den Supercaps und die Idee, die Karosserie als Batterie zu nutzen, Respekt. Damit gibt Lamborghini ein essenzielles Lebenszeichen Richtung Zukunft von sich, das man auf der IAA vergeblich suchte.