Interview mit Staatssekretär Rainer Bomba zur Eröffnung der Fruit Logistica in Berlin

Im VISION-mobility-Interview äußert sich der BMVI-Staatsminister zur Fruit Logistica und der Zukunft der Messelandschaft im Zeitalter der Digitalisierung.

Blickt positiv in die Zukunft: BMVI Staatssekretär Rainer Bomba
Blickt positiv in die Zukunft: BMVI Staatssekretär Rainer Bomba
Gregor Soller

VISION mobility: Die Messelandschaft verändert sich: Statt der bekannten großen Ausstellungen rücken zunehmend Spezialmessen in den Fokus. Welche Bedeutung hat für Sie eine Messe wie die Fruit Logistica?

Rainer Bomba: In Deutschland gibt es einen wachsenden Bedarf an kleineren Fachmessen. Das zeigen auch die Besucherzahlen der Fruit Logistica, die im vergangenen Jahr schon über 75.000 Besucher hatte. Deutschland ist eine logistische Drehscheibe für Frucht- und Gemüseproduzenten. Auf Spezialmessen wie der Fruit Logistica können die entsprechenden Themen der Logistikbranche zielgerichtet adressiert werden. Deshalb ist auch die Logistics Alliance Germany regelmäßig auf der Messe präsent.

Durch Digitalisierung und Vernetzung wird der Verkehr immer mehr zum Teil eines Gesamtsystems. Inwieweit bildet sich dieser Wandel auch in Ihrem Ministerium ab?

Rainer Bomba: Das BMVI treibt die Digitalisierung des Verkehrs maßgeblich voran. Im Rahmen der Forschungsinitiative mFUND fördern wir zum Beispiel seit 2016 Forschungs- und Entwicklungsprojekte rund um digitale datenbasierte Anwendungen für die Mobilität 4.0. Neben der finanziellen Förderung unterstützt der mFUND mit verschiedenen Veranstaltungsformaten die Vernetzung zwischen Akteuren aus Politik, Wirtschaft und Forschung sowie den Zugang zum Datenportal mCLOUD. Bis 2020 stehen für den mFUND Fördermittel in Höhe von 150 Millionen Euro zur Verfügung. Potentielle Fördernehmer sind Wirtschaft, Wissenschaft und Verwaltung. Von der Förderung sollen insbesondere auch kleinere Unternehmen und Startups profitieren, um so neue Geschäftsideen zu entwickeln. Ein weiteres Beispiel ist das automatisierte und vernetzte Fahren. Hier ist das BMVI ebenfalls sehr aktiv. Mit digitalen Testfeldern auf der Autobahn und in Städten, mit Forschungsförderung und mit der Behandlung rechtlicher und ethischer Fragen. Auf unserem digitalen Testfeld wurde übrigens auch das Platooning im realen Verkehr getestet.

Wie bewerten Sie in diesem Zusammenhang neue Veranstaltungen wie die HyperMotion in Frankfurt?

Rainer Bomba: Ich sehe auch für diese Messe mit ihrem fachbegleitenden Kongressprogramm gute Chancen zu wachsen, da zentrale Zukunftsthemen wie z.B. die Digitalisierung, Elektromobilität, automatisiertes Fahren oder Transport und Logistik im Fokus der Veranstaltungen stehen. Messen wie die HyperMotion sind überdies wichtige Plattformen für Startups. Sie können ein Sprungbrett für Unternehmen sein, die mit innovativen Mobilitätskonzepten auf den Markt gehen möchten und den fachlichen Austausch oder auch Partner suchen. Deshalb hat das BMVI die Messe auch unterstützt: So wurden u.a. spannende Projekte aus dem Förderprogramm mFUND eingeladen, sich auf der HyperMotion zu präsentieren.

Können Sie dort konkrete Ideen oder Anregungen auch für Ihre Arbeit im Ministerium finden?

Rainer Bomba: Messen geben Impulse, vernetzen Akteure, ermöglichen Visionen. Das gilt aber auch für unsere eigenen Veranstaltungsformate. So hat das BMVI im Rahmen des Förderprogramms mFUND bereits Hackathons, den „BMVI Data-Run“ veranstaltet. Die dritte Auflage findet am 2. und 3. März im BMVI in Berlin statt. Im vergangenen Jahr haben insbesondere auch zwei „BMVI Startup Pitches“ die Diskussion um die Mobilität der Zukunft vorangetrieben: Gründer und Startups nutzen hierbei die Chance, ihre digitalen Geschäftsideen vor einer hochkarätigen Jury zu präsentieren und eine Förderung aus dem mFUND zu erhalten. Auch die erste mFUND-Konferenz im August 2017 hatte eine große Resonanz.

Wie hält man als Ministerium mit dem schnellen Wandel der Digitalisierung Schritt? In der Regel kann man den schnellen digitalen Wandel ja nur reaktiv steuern.

Rainer Bomba: Durch geeignete rechtliche und fördertechnische Maßnahmen, zum Beispiel für den weiteren Ausbau der digitalen Infrastruktur oder die Unterstützung von innovativen Anwendungen, kann unser Ministerium wichtige Impulse setzen und den digitalen Wandel gestalten. Durch einen stetigen Austausch mit der Wissenschaft, den Marktteilnehmern und ihren Verbänden können wir schnell auf sich abzeichnende Entwicklungen und hierbei gegebenfalls auftretende Probleme eingehen.