Icon elektrifiziert Oldies

Jonathan Ward aus L.A. ist unter anderem bekannt für seine „Derelicts“ – das sind mehr oder weniger stark patinierte Oldtimer (auch Rats, also Ratten genannt), denen er mit neuester Technik ein zweites Leben schenkt.

Transformer: das ist ein hochmodernes Elektroauto! | Foto: Icon
Transformer: das ist ein hochmodernes Elektroauto! | Foto: Icon
Gregor Soller

Die Autoindustrie hat massive Probleme mit der Nachrüstung von Hardware –Jonathan Ward verdient sich genau damit seinen Lebensunterhalt – und tritt mit einem 1949er Mercury ins Elektrozeitalter ein. Ohne, dass man das dem abgerockten Coupe ansähe, den Wards Spezialität ist ein patinierter Umbau mit unsichtbaren High-Tech-Komponenten. In dem Fall fliegen der durstige Verbrenner samt lahmer Automatik raus. Deren Platz nehmen Akkus und eine Bosch-Maschine ein, allerdings in anderer Anordnung: Die 85 kWh leistenden Akkus sitzen unter der Motorhaube und wurden von Ward ein bisschen Richtung V8 mit Edelbrock-Optik gestaltet, während der „Motor“ mittig dort sitzt, wo vorher das Getriebe kauerte. Die normalerweise in auffälligem orange gehaltenen Hochvolt-Kabel hat Ward etwa so umwickelt, wie man das 1949 getan hätte.

Den elektrischen Antriebsstrang entwickelten die Kalifornier zusammen mit Stealth EV. Der 85-kWh-Akkupack kommt von Tesla. So stehen dem Mercury 403 PS und 637 Nm Drehmoment zur Verfügung, was auch eine verstärkte Kardanwelle nötig machte. Das Topspeed wird mit 120 mph, das sind gut 190 km/h angegeben, die Reichweite soll je nach Fahrweise zwischen 240 und 320 Kilometer betragen.

Hinter dem Nummernschild sitzt ein CHAdeMO-Schnellladeanschluss, während der Kontakt zum Tesla-Supercharger hinter der Tankklappe sitzt – hier müssten sich Mercury-Fahrer also nicht umgewöhnen. Wie alle Derelicts wird auch der Mercury Eight ein Einzelstück bleiben, was aber nicht für das Technik-Paket gelten muss: Auf Anfrage dürfte Ward in der Lage sein, jede substanziell halbwegs fahrfähige „Ratte“ ins Elektrozeitalter zu heben – vorausgesetzt, man hat das nötige Kleingeld dafür.

Was bedeutet das?

BPW macht den Mercedes-Benz Vario zum E-Transporter, Pendix macht Fahrräder zu Pedelces und in Offenbach tut Lorey das Gleiche wie Ward: Alte Autos zu hochmodernen Elektrofahrzeugen umrüsten. Das spart Ressourcen und sorgt für saubere Fahrleistungen, die in der Regel über denen des Originals liegen.