IAA: Schaeffler setzt auf 48-Volt-Hybrid und optimierte Verbrenner

Schaeffler fächert sein Portfolio für Gegenwart und Zukunft auf. Neben der Optimierung des Verbrennungsmotors per Thermomanagment stehen 48-Volt-Antriebe, ein Hybrid-Modul sowie eine fast serienreife elektrische Achse auf der Agenda.

Foto: Schaeffler
Foto: Schaeffler
Johannes Reichel

Auf der Internationalen Automobilausstellung IAA in Frankfurt (12.-24. September) stellt der Zulieferer- und Technologiekonzern Schaeffler Serienlösungen für emissionsarmes und lokal emissionsfreies Fahren vor. Damit wolle man einen Beitrag leisten, die Schadstoffbelastung in den Städten und den Ausstoß von Treibhausgasen durch den Straßenverkehr signifikant zu senken, teilte der Hersteller mit. Zugleich skizzierte der Automobilzulieferer seine Strategie. Für die nächsten Jahre erwartet Schaeffler einen kontinuierlichen Anstieg elektrifizierter Fahrzeugantriebe.

Extremszenario: 2030 fahren 30 Prozent rein elektrisch

Einem Extremszenario zufolge könnten im Jahr 2030 30 Prozent aller neu produzierten Autos rein elektrisch angetrieben werden. Noch 30 Prozent wären dann einzig mit einem Verbrennungsmotor ausgestattet, 40 Prozent verfügten über einen Hybridantrieb. Doch selbst bei dieser offensiven Prognose hätten noch mehr als zwei von drei Neufahrzeugen einen Verbrennungsmotor an Bord, mahnt der Technologiekonzern. „Wir müssen daher alles dafür tun, die Emissionen von Verbrennungsmotoren weiter zu minimieren“, bringt Prof. Peter Gutzmer, Technologie-Vorstand von Schaeffler auf den Punkt.

Dabei helfen soll etwa das zur IAA als Neuheit präsentierte in derzeit in Serie überführte Thermomanagementmodul, das die Emissionen während der kritischen Kaltstartphase eines Verbrennungsmotors optimiert. Das System steuert die Kühlkreisläufe von Motor, Getriebe und gegebenenfalls zusätzlicher elektrischer Antriebe sowie der Batterie. Der Anbieter verspricht eine Kraftstoffersparnis von drei Prozent, im Kurzstreckenbetrieb nach Kaltstart bei kühler Witterung tendenziell noch mehr. 

Elektrifizierung konventioneller Antriebsstränge

Erhebliches Verbesserungspotenzial sieht der Zulieferer in der Elektrifizierung konventioneller Antriebsstränge. Eine relativ kostengünstige Lösung bilde ein 48-Volt-System. Bei derzeitigen Serienfahrzeugen wird dieses anstelle des Startergenerators über einen Riemen mit der Kurbelwelle des Verbrennungsmotors verbunden. Für künftige Fahrzeuggenerationen biete man die Integration des 48-Volt-Elektromotors auch in den Motor-Getriebe-Verbund sowie in die Achse an.

Noch höhere Verbrauchseinsparungen sowie lokal emissionsfreies Fahren über längere Strecken ermögliche ein Plug-In-Hybridantrieb, an dessen Herzstück, dem Hochvolt-Hybridmodul. der Konzern seit zehn Jahren arbeite. Zur IAA stehe nun die nächste Generation des Hybridmoduls vor dem Serienstart, teilte der Zulieferer mit. Es erlaube die Übertragung sehr hoher Drehmomente von bis zu 800 Nm. Kurz vor der Serieneinführung sei zudem die elektrische Achse des Anbieters, während der elektrische Radnabenantrieb derzeit noch ein Vorentwicklungsthema darstelle, so die Einschätzung des Konzerns. Man sei derzeit an vier Serienprojekten beteiligt.

„Niemand kann derzeit sagen, wie rasch sich rein elektrische Fahrzeuge auf dem Markt durchsetzen“, schätzt Vorstand Gutzmer. Doch man wolle den Weg der Automobilindustrie zu einer Null-Emissions-Mobilität durch serienreife Technologien unterstützen.