IAA 2017: Bosch erwartet Boom bei E-Scootern

Der Zulieferer fächert sich noch breiter auf und entwickelt vom E-Bike-Antrieb, über E-Scooter-Technik bis hin zu automatisiertem Fahren und E-Achse alles rund um die neue Mobilität. Den Verbrenner schreibt man aber noch lange nicht ab, im Gegenteil. Synfuels könnten ihn genauso umweltfreundlich machen wie das Elektro-Auto.

Die Leichtigkeit des Seins: Bosch setzt auf Elektrifizierung vor allem auch bei Leichtfahrzeugen wie E-Scootern, aber auch mittels E-Achse bis hin zu Leicht-Lkw. | Foto: J. Reichel
Die Leichtigkeit des Seins: Bosch setzt auf Elektrifizierung vor allem auch bei Leichtfahrzeugen wie E-Scootern, aber auch mittels E-Achse bis hin zu Leicht-Lkw. | Foto: J. Reichel
Johannes Reichel

Der schwäbische Technologie- und Zulieferkonzern Bosch erwartet eine Explosion bei der Zulassung von Light Electric Vehicles – 100 Millionen Exemplare bis 2020 weltweit - und setzt mithin auch auf Elektro-Rikschas und E-Scooter wie die Govecs Schwalbe mit erschwinglichen 48-Volt-Systemen. Die seien für zwei, drei und vier Räder skalierbar, deutet Bosch-Chef Volkmar Denner an. Und die sogenannten LEVs eigneten sich ideal für die, wie Bosch sie bezeichnet, „Mobilitätspragmatiker“ in den urbanen Räumen, die einfach und emissionsarm von A nach B kommen wollen. Zur Not auch im „kombinierten Verkehr“: Bosch experimentiert mit seriennahen Apps, die es ermöglichen, bei Stau etwa vom Sharing-Auto auf’s E-Bike (mit Bosch-Antrieb, versteht sich) zu wechseln.

Neu für größere Kaliber bis hin zum 7,5-Tonner: Eine elektrisch angetriebene Achse mit 94 Prozent Wirkungsgrad. Auch die derzeit für Furore sorgende Deutsche-Post-Tochter DHL setzt beim Lieferfahrzeug StreetScooter Work ja neuerdings auf einen Bosch-Antrieb. Und natürlich vergisst man das Stammgeschäft nicht: E-Mobilität mache nur Sinn, wenn die Energie CO2-neutral produziert werde, mahnt Denner. Und das könne man mit Synfuels auch. Sprich: Beim Verbrenner ist für Bosch noch lange nicht Feierabend, auch wenn die Herstellung dieser Kraftstoffe derzeit noch teuer sei. Erstmal wird selbiger auf die nächste Abgasstufe Euro 6d optimiert. Zudem arbeite man an neuen Lösungen, um den Feinstaub zu reduzieren, der größtenteils nicht aus dem Auspuff, sondern vom Abrieb der Bremsen und Reifen komme. Im nächsten Jahr soll die iDisc in Serie gehen – eine Bremsscheibe, die mit Hartmetall beschichtet ist und bis zu 90 Prozent weniger Bremsstaub erzeugen soll.

"Auf dem Weg zum alternativen Antrieb sehen wir mehrere Optionen, vom Erdgasmotor bis zur Brennstoffzelle. Wir optimieren den Verbrenner weiter, wir sehen ihn noch lange in der Koexistenz zum Elektroauto", gab Volkmar Denner die Richtung vor.

Unabhängig davon: Das automatisierte Fahren kommt aus Bosch-Sicht schneller als gedacht. Schon Anfang der nächsten Dekade will man daher mit einem autonom fahrenden Fahrzeug in fahrerlose Carsharing-Flotten einsteigen. Noch konkreter: Das automatisierte Parken, das man mit den Stuttgarter Nachbarn von Daimler bereits erprobt und das Parkhausbetreiber jubilieren lassen dürfte: 20 Prozent mehr Parkraum, verspricht Bosch. Schließlich müsse hier keiner mehr die Tür öffnen. Und der Fahrer hat die lästige Parkplatzsuche vom Hals.

Was bedeutet das?

Bosch kanalisiert jede Menge guter Ideen – und setzt sie, siehe E-Roller, erstaunlich schnell um, vom automatisierten Fahren bis hin zu leichten elektrifizierten Fahrzeugen und Fahrrädern. Man vergisst aber auch die Optimierung des Verbrenners und die Potenziale von Synfuels nicht. So breit ist vielleicht kein anderer Zulieferer aufgestellt.