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Formel E: Die große Rennvorschau zum Berlin E-Prix 2018

Die Formel E ist zurück in Deutschland: Mit dem BMW i Berlin E-Prix 2018 trägt die erste rein elektrische Einsitzer-Rennserie der Welt am kommenden Wochenende, dem 19. Mai, auf dem ehemaligen Tempelhofer Flughafengelände ihren einzigen Deutschland-Lauf aus.

Bereits im vierten Jahr in Folge gastiert die Formel E in Berlin | Foto: FIA Formula E
Bereits im vierten Jahr in Folge gastiert die Formel E in Berlin | Foto: FIA Formula E
Timo Pape

Die Formel E ist zurück in Deutschland! Mit dem BMW i Berlin E-Prix 2018 trägt die erste rein elektrische Einsitzer-Rennserie der Welt am kommenden Wochenende, dem 19. Mai, auf dem ehemaligen Tempelhofer Flughafengelände in der Bundeshauptstadt ihren einzigen Deutschland-Lauf im diesjährigen Rennkalender aus. Motorsportfans können sich auf einen Renntag auf internationalem Topniveau freuen.

Schließlich spitzt sich der Titelkampf vier Rennen vor dem Saisonfinale in New York immer weiter zu. Ex-Formel-1-Star Jean-Eric Vergne (Techeetah) führt mit 31 Zählern vor Sam Bird im DS Virgin. Doch auch andere Fahrer müssen wir auf der Rechnung haben. Allen voran Lucas di Grassi, der als amtierender Formel-E-Champion noch immer auf seinen ersten Sieg in dieser Saison wartet, oder Felix Rosenqvist, der 2017 in Tempelhof gewinnen konnte.

Stadt, Land, Fluss…

Der Tempelhofer Flughafen gehört zu den geschichtsträchtigsten Orten in der 3,5-Millionen-Metropole. Aus dem einstigen preußischen Paradeplatz entwickelte sich im Verlauf des vergangenen Jahrhunderts ein wichtiger Verkehrsflughafen, der besonders in der Zeit der Berlin-Blockade und der sogenannten Luftbrücke von Bedeutung für die größte Stadt Deutschlands war. Das Flughafengebäude stammt aus Zeiten des Nationalsozialismus und ist bis heute das größte architektonische Baudenkmal Europas.

Seit 2010 wird das Tempelhofer Feld, das sich direkt hinter dem Flughafenkomplex erstreckt und mit dem Formel-E-Rennen nichts zu tun hat, von den Berlinern als Freizeit- und Erholungspark genutzt. Inline-Skates, Windboards oder Grillwiesen - die größte innerstädtische Freifläche der Welt bietet auf stolzen 350 Hektar Platz für abertausende Besucher, die hier in den Sommermonaten ihre Abende verbringen.

Was seit dem letzten Saisonlauf passierte

Die Zeit zwischen Paris und Berlin bestimmten vor allem zwei Themen: HWA und Felipe Massa. Der Brasilianer bestätigte erst am Dienstag seinen Formel-E-Einstieg ab der nächsten Saison mit Venturi. Zustande kam der Deal womöglich erst durch den seit letzter Woche bestätigten Einstieg des aus der DTM bekannten HWA-Rennstalls, der das Starterfeld in der Saison 2018/19 auf insgesamt 22 Fahrzeuge erweitern wird.

In Berlin begrüßt das Fahrerlager zudem zwei alte Bekannte: Einerseits kehrt Tom Dillmann zu Venturi zurück. Der Franzose springt einmalig für den verhinderten Edoardo Mortara ein, der zeitgleich auf dem Lausitzring in der DTM startet. Andererseits feiert Stephane Sarrazin, der bis in die letzte Saison bei Venturi und Techeetah unter Vertrag stand, sein Comeback: Der 42-Jährige ersetzt bei Andretti für die verbleibenden vier Saisonläufe BMW-Werksfahrer Tom Blomqvist, der sich auf sein paralleles GT-Programm konzentrieren wird.

Überdies interessant: Im Rahmen des Berlin E-Prix wird es zu zwei Premieren kommen. Zum einen wird Formel-1-Weltmeister Nico Rosberg das futuristische neue Formel-E-Auto zum ersten Mal in der Öffentlichkeit auf die Strecke führen. Außerdem steht auf dem Tempelhof-Ring die Jungfernfahrt des Jaguar I-PACE auf dem Programm, mit dem ab der kommenden Saison ein Markenpokal im Rahmen der Formel E ausgetragen wird. Am Steuer: kein Geringerer als Formel-E-Boss Alejandro Agag.

Zeitplan 2018 (alle Zeiten in MESZ):

  • 09:00 - 09:45 Uhr - 1. Freies Training
  • 11:30 - 12:00 Uhr - 2. Freies Training
  • 14:00 - 15:00 Uhr - Qualifikation
  • 18:00 - 19:00 Uhr - Rennen (45 Runden)

Strecke

Der Berliner Tempelhof-Ring wurde auf dem Vorfeld des Airports errichtet, wo keine Straßenverläufe die Richtung des Layouts vorgeben können. Die Formel E fährt dadurch auf einem eher "klassischen" Rundkurs, der mit einem komplexen technischen Teil und mehreren längeren Highspeed-Abschnitten auf insgesamt 2,375 Kilometern Mensch und Maschine einiges abverlangt.

Die beste Überholmöglichkeit bietet sich zweifelsohne in der Haarnadelkurve 9. Im Vergleich zum Vorjahr gibt es nur eine wichtige Änderung: Die Einfahrt in die Boxengasse befindet sich fortan nicht mehr vor, sondern nach der letzten Kurve.

Besonders kritisch gestaltete sich in der Vergangenheit immer wieder der Reifenabrieb. Die Michelin-Gummis verschlissen in den vergangen Jahren auf den rutschigen Betonplatten schneller als auf Asphalt, dem gewohnten Untergrund für Formel-E-Autos. Im Rennen könnte somit der Reifenverschleiß ein entscheidender Faktor werden.

Die Formel E im TV bei Eurosport & in der ARD

Auch für Fans, die es am Wochenende nicht an die Strecke schaffen, gibt es jede Menge Formel E zu genießen. Nach einer Live-Übertragung des Qualifyings bei Eurosport 2 (Pay-TV) überträgt der Münchener Sportsender wie gewohnt ab 18 Uhr den E-Prix bei Eurosport 1 live und in voller Länge. Hinter dem Mikrofon sitzen wie gewohnt Oliver Sittler und Jan Seyffarth.

Gleichzeitig überträgt jedoch auch das Erste Deutsche Fernsehen zum ersten Mal überhaupt ein Formel-E-Rennen. Der Berlin E-Prix wird in das Sportschau-Programm zwischen den DFB-Pokal-Finalspielen der Frauen und Männer eingebettet und ebenfalls in voller Länge und ohne Werbeunterbrechungen übertragen. Aus der Kommentatorenkabine begleiten Philipp Sohmer und Ex-Formel-1-Fahrer Heinz-Harald Frentzen das Rennen.

Wetter

Die Prognosen mehrerer Wetterdienste melden gutes Wetter für den E-Prix in Berlin. Nachdem anfänglich noch über die Möglichkeit eines Regenrennens gemunkelt wurde, scheinen sich Besucher des Rennens auf einen sonnigen Nachmittag mit Spitzentemperaturen von circa 20 Grad Celsius freuen zu können. Voraussichtlich also bestes Rennwetter in Berlin!

Prognose

Der Berlin E-Prix stellte schon in den letzten Jahren einen der Wendepunkte in der Meisterschaft dar. Sei es die Disqualifikation von Lucas di Grassi 2015, die misslungene ABT-Teamorder 2016 oder das Boxengassen-Tohuwabohu bei Mahindra 2017.

In der Favoritenrolle steckt nach seinem dominanten Paris-Wochenende der Gesamtführende Jean-Eric Vergne. Doch mit dem Titel in Sichtweite setzt sicherlich auch Sam Bird die Segel in Richtung Saisonsieg Nummer 3. Noch sind in der Meisterschaft 116 Punkte zu vergeben - Bird könnte sein Punktekonto mathematisch betrachtet also sogar noch verdoppeln.

Doch auch die Teams Audi und Mahindra muss man auf der Rechnung haben. Der Heimsieg im ersten Jahr als Werksteam wäre nach dem desolaten Saisonstart ein emotionales Trostpflaster für Audi und würde besonders dem Punktekonto der Ingolstädter guttun. Schließlich trennen Audi nur 19 Punkte vom zweitplatzierten DS-Virgin-Team in der Teamwertung. Und auch Mahindra, die im letzten Jahr das gesamte Wochenende dominierten und nur durch eine Zeitstrafe den zweifachen Sieg beim Doppelrennen verschenkten, haben durchaus Chancen auf ein gutes Ergebnis.