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Formel E: D'Ambrosio gewinnt Drama in Marrakesch, BMW schlägt sich selbst

Jerome d'Ambrosio hat den zweiten Saisonlauf der Formel E in Marrakesch gewonnen. Der Belgier im Mahindra behauptete sich in einem dramatischen und extrem spannenden Rennen um Sekundenbruchteile gegen Robin Frijns im Virgin, der knapp vor seinem Teamkollegen Sam Bird ins Ziel kam.

Jerome d'Ambrosio übernahm in Marrakesch die Gesamtführung in der Formel E | Foto: FIA Formula E
Jerome d'Ambrosio übernahm in Marrakesch die Gesamtführung in der Formel E | Foto: FIA Formula E
Timo Pape

Jerome d'Ambrosio hat den zweiten Saisonlauf der Formel E in Marrakesch gewonnen. Der Belgier im Mahindra behauptete sich in einem dramatischen und extrem spannenden Rennen um Sekundenbruchteile gegen Robin Frijns im Virgin, der knapp vor seinem Teamkollegen Sam Bird ins Ziel kam. Die Geschichte des Rennens schrieb jedoch BMW: Komfortabel in Führung liegend, schossen sich Antonio Felix da Costa und Alexander Sims gegenseitig ab und verschenkten dadurch einen wohl ungefährdeten Doppelsieg.

Pole-Sitter Bird erwischte einen guten Start und konnte die Spitze gegen Jean-Eric Vergne verteidigen. Der Franzose bremste jedoch extrem spät und stach völlig übermütig auf der Innenbahn in die Kurve hinein. Es kam zum Kontakt, Vergne drehte sich und fiel ans Ende des Feldes zurück. Viele Fahrer mussten dem Franzosen ausweichen, wodurch es zu zahlreichen Verschiebungen kam. Lucas di Grassi krachte Pascal Wehrlein ins Heck, der ebenfalls weit zurückfiel. Di Grassi hingegen profitierte und kam einige Plätze nach vorn. Alex Sims und Antonio Felix da Costa nahmen auf den Positionen 2 und 3 die Verfolgung von Bird auf.

Wehrleins Formel-E-Debüt war hingegen bereits nach vier Minuten vorbei. Der Deutsche kam an die Box, stieg aus und machte sich in der Box Luft über seinen Ausfall. Wenig später blieb auch HWA-Pilot Gary Paffett stehen, da er Schaden am linken Hinterreifen genommen hatte. Nach etwas mehr als fünf Minuten griff Felix da Costa Teamkollege Sims an und ging in Kurve 3 vorbei. Di Grassi machte derweil weiter Druck auf d'Ambrosio und überholte ihn schließlich - schon Platz 5 für den als Elfter gestarteten Brasilianer nach zehn Minuten. Maximilian Günther zündete zeitgleich als erster Fahrer den Attack-Mode und machte mit 225 kW gleich in der ersten Runde zwei Plätze gut.

Felix da Costa gibt die Pace vor

An der Spitze machte derweil Felix da Costa Druck auf den Führenden Bird. BMW schien deutlich schneller als Virgin zu sein, denn hinter Bird reihten sich die Top 6 hintereinander auf. Zum ersten Angriff mit leichter Berührung kam es nach 14 Runden, doch Bird blieb vorn. Dann war es jedoch soweit: Im Zweikampf musste Bird die Kurve schneiden, weshalb er nicht optimal herausbeschleunigte. Beide BMW nutzten ihre Chance und gingen am Virgin vorbei - Felix da Costa nun in Führung.

Daniel Abt kämpfte sich indes mit Attack-Mode auf den siebten Platz vor - alle sechs deutschen Antriebe waren zu diesem Zeitpunkt in den Top 7. Jose Maria Lopez bewaffnete sich jedoch ebenfalls mit dem Attack-Mode und holte sich die Position von Abt zurück. Schon jetzt war klar: Das neue Feature funktionierte deutlich besser als noch in Diriyya und sorgte für viele gute Zweikämpfe. Auch di Grassi verlor Rang 5 wieder an d'Ambrosio. Ein Stück weiter vorn ging Robin Frijns an seinem Teamkollegen Bird vorbei - der Niederländer nun auf Podiumskurs.

Nach etwas mehr als 20 Minuten schafften es die beiden BMW, sich etwas abzusetzen. Gut drei Sekunden Rückstand hatte Frijns zu diesem Zeitpunkt bereits auf das Führungsduo. Weiter hinten drehte d'Ambrosio allmählich richtig auf und schnappte sich nach di Grassi auch noch Bird. Der Brite musste in der Folge auch noch di Grassi ziehen lassen, der seinerseits im Attack-Mode war. Wenig später gingen d'Ambrosio und di Grassi an Frijns vorbei und hefteten sich an die Fersen von Sims. Vergne erreichte zu diesem Zeitpunkt schon wieder die Top 10.

Nach 25 Minuten zündeten beide BMW zeitgleich ihren ersten Attack-Mode und vergrößerten ihren Vorsprung innerhalb von 240 Sekunden von 3,1 auf 4,8 Sekunden. Die Action passierte jedoch dahinter: d'Ambrosio, di Grassi, Frijns und Bird lieferten sich einen packenden Vierkampf, der etliche Runden andauerte. Gut eine Viertelstunde vor Schluss holten sich die beiden Virgin ihren jeweils zweiten Attack-Mode und überholten di Grassi. Um sich zu verteidigen, zündete der Drittplatzierte d'Ambrosio endlich auch seinen ersten Attack-Mode. Die beiden Techeetah stellten indes den Anschluss zur Spitze her: Vergne überholte di Grassi, und auch Andre Lotterer machte Druck auf den Audi-Fahrer und ging schließlich vorbei.

BMW schlägt sich selbst

Dann der dramatische Moment des Rennens: Sims griff an der Spitze seinen Teamkollegen Felix da Costa an und fuhr neben ihn. Beide BMW kollidierten, der Portugiese rutschte in die Mauer und musste aussteigen - das Aus für den Führenden. Auch Sims verlor viel Zeit im Notausgang und fiel auf Platz 4 zurück. D'Ambrosio lag jetzt in Führung, dahinter die beiden Virgin. Um den BMW von Felix da Costa zu bergen, rief die Rennleitung gut sieben Minuten vor dem Ende das Safety-Car auf die Strecke.

Wenige Sekunden vor Ablauf der 45 Minuten ging das Safety-Car wieder an die Box - noch eine Runde mit Vollstrom. Die meisten Fahrer hatten sich zuvor mit dem Attack-Mode gewappnet. Sims griff zunächst Bird an, doch der Brite fuhr Kampflinie und blieb vorn. Eine extrem packende letzte Runde sah zwar etliche Angriffe, aber keine Platzveränderungen mehr an der Spitze. Somit gewann d'Ambrosio mit 0,143 Sekunden Vorsprung vor Frijns.

Der Belgier übernimmt durch sein zweites Podium im zweiten Saisonrennen die Führung in der Gesamtwertung. Felix da Costa und Vergne schließen sich punktgleich zwölf Zähler dahinter an. Lotterer liegt als bester Deutscher auf Rang 4. Bei den Teams hat DS Techeetah seine Führung ausgebaut und liegt nun sieben Punkte vor BMW. Die Bayern sind nach dem Marrakesch E-Prix gleichauf mit Mahindra. Audi ist mit 14 Zählern aus zwei Rennen nur Gesamtsiebter, während HWA weiterhin punktlos bleibt. Das nächste Formel-E-Rennen findet in zwei Wochen, am 26. Januar, in Santiago de Chile statt.