Deutsche Autozulieferer: Umsätze durch Brexit in Gefahr

Laut einer Deloitte-Studie würde ein „hartes“ Ausscheiden von Großbritannien rund 14.000 Arbeitsplätze in Deutschland gefährden.

Ein "harter Brexit" würde die Zuliefererindustrie hart treffen. | Foto: Unsplash/Chris Lawton
Ein "harter Brexit" würde die Zuliefererindustrie hart treffen. | Foto: Unsplash/Chris Lawton
Gregor Soller

Deloitte hat eruiert, was ein „Harter Brexit“ für die Lieferkette bedeuten würde: Käme es tatsächlich dazu, würde dieser die deutsche Automobil-Zulieferindustrie hart treffen. Die Zulieferbranche müsste im Jahr des Ausscheidens mit Umsatzeinbußen in Höhe von 3,8 Milliarden Euro im Vergleich zu einem No-Brexit-Szenario rechnen. Außerdem könnten nach Berechnungen des aktuellen Deloitte Brexit Briefings "Harter Brexit und die Lieferkette" bis zu 14.000 Jobs gefährdet sein. Der Grund dafür ist laut Deloitte die starke Verflechtung deutscher Zulieferer mit deutschen, britischen und anderen europäischen Automobilproduzenten auf zwei Ebenen: So beliefern deutsche Hersteller die britische Autoindustrie direkt und sind indirekt an der Produktion deutscher und anderer europäischer Exportwagen nach Großbritannien beteiligt. Durch die Einführung von WTO-Zöllen und einer dauerhaften Abwertung des Pfunds im Falle des harten Brexit sinkt der Autoabsatz und die Automobilproduktion in UK trifft dies somit unmittelbar deutsche Automobilzulieferer, da nahezu jedes fünfte im Vereinigten Königreich verbaute Automobil-Teil aus deutscher Produktion stammt.

Sinkt der Absatz von Autos, sinken auch die Verkäufe der Zulieferer. Tatsächlich ist Großbritannien der größte Absatzmarkt für deutsche Zulieferer innerhalb Europas. 18 Prozent aller dort verbauten Teile stammen aus deutscher Produktion. Zugleich produzieren rund 30 der größten deutschen Zulieferer im Vereinigten Königreich und sind somit unmittelbar an der dortigen Herstellung beteiligt. Der Umsatz, den deutsche Zulieferer aufgrund der britischen Automobilproduktion und des Marktes erzielten, belief sich 2016 auf 16,9 Milliarden Euro.

„Die Lieferketten der europäischen Automobilindustrie erstrecken sich über zahlreiche EU-Mitgliedsstaaten. Im Zuge des Brexits aufkommende Handelshemmnisse, wie Zölle oder Regulierungen, würden den Lieferketten erheblich schaden und dadurch die Kosten für Zulieferer und deren Abnehmer erhöhen“, erklärt Dr. Thomas Schiller, Partner und Leiter Automotive bei Deloitte.

Insgesamt 42.500 Arbeitnehmer sind mittelbar und unmittelbar vom Handel mit Großbritannien abhängig: 15.700 Mitarbeiter durch direkte Lieferbeziehungen, also die Belieferung britischer Autobauer, weitere 26.800 durch indirekte Lieferbeziehungen über die Beteiligung an der deutschen sowie EU-Autoproduktion für die Insel. Käme es zu einem harten Brexit ohne spezielle Abkommen und Übergangsregelungen, dafür mit WTO-Zöllen und Wechselkurschwankungen, beträfe dies sowohl Im- wie Exporte des Königreichs. Deutsche und in der EU gebaute Autos in Großbritannien könnten laut Deloitte etwa 21 Prozent teurer werden, britische Fahrzeuge in der EU 13 Prozent. Aufgrund der möglichen Preissteigerungen, würden deutsche und europäische Automobilproduzenten etwa 650.000 Fahrzeuge weniger in UK absetzen. Die britische Autoindustrie würde ihrerseits rund 120.000 Autos weniger produzieren. Die komplette Studie finden Sie hier zum Download: http://ots.de/nFmjw

Was bedeutet das?

„Ein harter Brexit würde die Umsätze deutscher Zulieferer, die aus der Verflechtung mit UK resultieren, im Brexit-Jahr 2019 um 23 Prozent von 16,4 auf 12,6 Milliarden Euro schrumpfen lassen. Dies entspricht einem Rückgang von rund 5 Prozent der aktuellen Gesamtumsätze der deutschen Zuliefererbranche“, ergänzt Dr. Alexander Börsch, Chefökonom bei Deloitte