Das ist der Polestar 1

Erste Sitzprobe im Prototypen.

Mit dem Polestar 1 startet ab 2019 eine neue Marke. | Foto: Frank Elschner
Mit dem Polestar 1 startet ab 2019 eine neue Marke. | Foto: Frank Elschner
Gregor Soller

Der Polestar 1 soll ab Mitte 2019 in Produktion gehen. Nachdem er jetzt weltweit gezeigt wurde, soll ab Mitte 2019 die Produktion starten. Wegen der Carbonhülle soll die Marke Polestar mit sehr dezenten Stückzahlen (drei täglich) starten, was einer Jahresproduktion von 500 Fahrzeugen plus x entspricht. Mittelfristig strebt man mit Polestar 2 und 3 eine Zahl von 100.000 Fahrzeugen an. Aktuell liegen laut Polestar-Pressesprecher Duncan Forrester rund 590 Bestellungen vor, davon rund 200 aus den USA und weitere 100 aus Skandinavien. Die übrigen verteilen sich auf die restlichen Märkte Kanada, China, Deutschland, Belgien, Großbritannien und die Niederlande. Als nächstes soll Frankreich hinzukommen. Gefertigt wird der Polestar 1 in einer ganz neuen Fabrik im chinesischen Chengdu, von wo aus er wie der Volvo S90 per Bahn nach Europa geliefert werden soll.

Und wie sitzt es sich im Polestar 1? Tatsächlich nicht so anders als in einem Volvo S oder V90, von dem der Polestar 1 den Innenraum in weiten Teilen übernimmt. Auch im Polestar 1 duftet es nach hochwertigem Leder, das man auch hier stilsicher mit dem Orrefors-Schaltknubbel aus Glas, Holzinlets und Aluelementen verbindet. Das große Glasdach schafft ein sehr luftiges Raumgefühl und zur Not könnte man im Fond noch zwei Insassen mitnehmen. Die vielfach verstellbaren Sitze vorn lassen auch Sitzriesen viel Platz und punkten mit guter Verstellbarkeit. Auch alles bekannt von S und V90. Der Unterschied wird aber im Fahrverhalten liegen, das stark hecklastig ausgelegt sein wird. Die Gewichtsverteilung konnte man laut Forrester dank der Akkupakete im Heck auf 52 zu 48 Heck zu Front verschieben, außerdem tun die beiden E-Maschinen an der Hinterachse ein Übriges, um die Fahrdynamik gegenüber dem Plattformspender S90 zu erhöhen, der mit Front- oder Allradantrieb vorfährt. So stehen 600 PS und 1000 Nm Drehmoment zur Verfügung. Bei „sparsamer“ Fahrweise sollen dank großzügig dimensionierten Akkus rund 100 Kilometer rein elektrisch zurückgelegt werden können. Dabei übernahm man den zentralen Akku von den 90er-T8-Hybriden und packte im Heck zwei weitere Energiespender dazu, um Power und Reichweite zu erhöhen.

Das geht natürlich etwas ins Gewicht: Deshalb spendierte man dem Polestar 1 eine aufwändig zu fertigende Carbonhülle, die viel Handarbeit erforderlich macht – dafür aber genau die 230 Kilogramm sparen soll, welche die Akkus gegenüber einer Stahlkarosserie extra wiegen. Leider kann man den Carbon aus optischen Gründen nicht sichtbar machen – dazu bräuchte es eine extra verlegte „Sichtcarbonschicht“. Das Leergewicht schätzt man trotzdem auf rund 2,2 Tonnen, die man vor allem in schnellen engen Kurven spüren wird.

Dass der Polestar-CEO Thomas Ingenlath eigentlich Designer ist, merkt man an vielen feinen Details: Im wegen dem Akku knappen Kofferraum werden auch im Serienmodell die orangen Leitungen zum Akku sichtbar bleiben. Sie werden hinter einer kratzfesten Scheibe liegen, die etwas kleiner ausfällt als beim Prototypen. Außer ein paar Golfbags wird sonst leider nicht viel in das große „Fach“ unter dem Kofferraumdeckel passen.

Die Gurte, fast so senfgelb wie Ingenlaths Anzug, setzen spannende optische Akzente und erleichtern Polizeikontrollen zum Thema Gurtpflicht. Geändert werden auch noch die Seitenspiegel, die vom S90 stammen und wegen dem kompakteren „Glashaus“ des Plstar 1 sehr groß wirken. Sie werden durch kleinere rahmenlose Exemplare ersetzt. Auch Kameras dachte man an, doch die sind weltweit noch nicht zulassungsfähig, weshalb man (noch) darauf verzichtete.

Was bedeutet das?

Ganz hart gesprochen ist der Polestar 1 ein fahraktives hybridisiertes und bärenstarkes S90-Coupé mit Carbonkarosserie, das viel „Freude am Fahren“ bringen wird.  Und trotzdem wurde es wie so viele Modelle aus diesem Planungszeitraum schon wieder von der Zeit überholt: Denn die künftigen Polestars werden auch nicht als Schwächlinge rein elektrisch in die Welt Rollen. Doch schon jetzt wird der Polestar 1 historisch wertvoll sein: Als Mittler zwischen Volvo-Tradition und elektrischer Moderne. Die dank eines Designers als CEO optisch immer elegant bleiben dürfte und die traditionellen Volvo-Werte geschickt um elektrisierende Moderne und Sportlichkeit erweitern kann.