Daimler verkauft mehr, verdient weniger und setzt auf Mobilitätsdienste

Die Daimler AG hat 2018 mehr Fahrzeuge an den Kunden gebracht als im Vorjahr. Aber der Gewinn bricht ein. Der Hersteller zeigt offen für Kooperationen, auch mit Rivalen wie BMW. Die Mobilitätsdienste legen bei den Nutzerzahlen stark zu.

Unterm Strich recht zufrieden mit sich und der Daimler-Welt: Dieter Zetsche führte durch seine letzte Jahrespressekonferenz als Vorstandsvorsitzender. | Foto: Daimler
Unterm Strich recht zufrieden mit sich und der Daimler-Welt: Dieter Zetsche führte durch seine letzte Jahrespressekonferenz als Vorstandsvorsitzender. | Foto: Daimler
Johannes Reichel

Licht und Schatten lagen nahe beisammen bei der letzten Jahrespressekonferenz, die Daimler-Chef Dieter Zetsche als Vorstandsvorsitzender führen durfte. Ausgerechnet in seinem 13. Jahr an der Spitze des Konzerns vermeldete Zetsche zwar exzellente Verkaufszahlen von 2,2 Millionen verkauften Fahrzeugen mit einem leicht rückläufigen Umsatz von 167 Milliarden Euro. Zugleich musste er aber einen Einbruch beim Gewinn durchgeben, der um fast ein Drittel auf gut sieben Milliarden Euro sank. Damit könne und wolle man nicht zufrieden sein, gab Zetsche zu Protokoll. Man werde "umfassende Gegenmaßnahmen" ergreifen.

„Für Daimler war 2018 ein Jahr mit starkem Gegenwind - von der anhaltenden Diesel-Diskussion über die Umstellung auf das neue Testverfahren WLTP bis hin zum globalen Handelsstreit. All das hat sich auch in unseren Ergebnissen und unserem Aktienkurs niedergeschlagen", analysiert der Daimler-Chef.

Dass die Laune des Chefs generell nicht so schlecht war, lag auch daran, dass er die gleichen Symptome bei allen Herstellern ausmacht: Hohe Forschungs- und Entwicklungskosten für den Mobilitätswandel drücken allerorten auf die Gewinne. Neun Milliarden Euro investierte Daimler allein im Jahr 2018 in F&E, elektrische Antriebe und Modelle, autonome Fahrzuge. Umso verständlicher ist, dass Zetsche diese Kosten gerne teilen würde und bei der Pressekonferenz kaum verholen um Partnerschaften wirbt. Mit Bosch geht man demnächst einen großen Schritt in Sachen autonomes Fahren mit einem Pilotprojekt in San Josè. Mit Tesla ist man ebenso im Gespräch wie mit dem Erzrivalen BMW, mit dem der Teileeinkauf bereits läuft. Bereits Ende Februar soll das Car-Sharing-Projekt aus der Sixt-Erbmasse an den Start gehen.

Immer mehr Raum: Mobilitätsdienstleistungen legen zu

Überhaupt ein Thema, das man auf der Pressekonferenz ausführlich beleuchtet: Man habe das Angebot an innovativen Mobilitätsdienstleistungen weiter ausgebaut. car2go konnte die Zahl der registrierten Nutzer auf 3,6 (i.V. 3,0) Mio. steigern und damit die Position als führendes Unternehmen beim flexiblen Carsharing festigen. Weiterentwickelt wurde auch die moovel App, mit der die Kunden in Deutschland verkehrsmittelübergreifend die für sie beste Verbindung von A nach B finden und Services wie beispielsweise car2go oder mytaxi sowie Nahverkehrsfahrten direkt buchen und bezahlen können. In den USA sei moovel einer der führenden Anbieter mobiler Ticketing-Lösungen für Verkehrsunternehmen. Die Anzahl der registrierten moovel-Nutzer in Deutschland und den USA habe zum Jahresende 2018 auf 6,2 (i. V. 3,7) Mio zugelegt. Die hinter mytaxi stehende Ride-Hailing-Gruppe sieht der Konzern in ihrer Position als einer der führenden Anbieter von Taxi-Apps in Europa gestärkt, auch durch die mehrheitliche Übernahme von Chauffeur Privé weiter ausgebaut. Das Serviceangebot habe man auf zwölf europäische Länder und zwei stark wachsende Märkte in Südamerika ausgeweitet. Die Zahl der registrierten Nutzer hätte sich sich nahezu verdoppelt auf 21,3 (i.V. 11,1) Mio., listet der Konzern emsig auf. Und subsumiert:

„Unsere Mobilitätsdienstleistungen haben sich im vergangenen Jahr hervorragend weiterentwickelt und zählen nun rund 31 Mio. registrierte Nutzer. Jetzt wollen wir unsere Power und unser Know how in eine Partnerschaft mit BMW einbringen", so Finanzchef Bodo Uebber.

Zetsche kann sich hier aber deutlich mehr vorstellen, wie zwischen den Zeilen durchklingt. Für 2018 lautet Zetsches Losung: "Wir sind bei zentralen Zukunftsthemen substanziell vorangekommen. Das verdanken wir nicht zuletzt unserem starken Kerngeschäft".

Selbstständige Geschäftseinheiten für mehr Schlagkraft

Feststeht: Noch in diesem Jahr will Daimler das 2017 angekündigte ‚Projekt Zukunft‘ starten. Damit würden die heutigen Geschäftsfelder Mercedes-Benz Cars und Mercedes-Benz Vans in die Mercedes-Benz AG sowie Daimler Trucks und Daimler Buses in die Daimler Truck AG als jeweils rechtlich selbstständige Unternehmen unterteilt werden. Die bereits rechtlich selbstständige Daimler Financial Services AG, die schon heute für die Mobilitätsangebote innerhalb des Konzerns steht, wird voraussichtlich ab Juli 2019 Daimler Mobility AG heißen. Damit könnten die einzelnen Geschäftseinheiten schneller und präziser auf neue Trends, Technologiesprünge und unvorhergesehene Marktentwicklungen reagieren, so der Konzern.

Für das laufende Jahr will Daimler den Absatz bei Mercedes-Benz Cars leicht steigern: Mehr als ein Dutzen neue und überarbeitete Fahrzeuge hat man angekündigt. Dazu sollen auch die forcierten Varianten der elektrifizierten EQ-Reihe ein bisschen beitragen. Neben dem schon länger präsenten Smart EQ soll der SUV EQC E-Auto-Kunden für die Marke finden. Ansonsten verweist man in der PK eher auf die mittlere Zukunft: Bis 2022 soll das komplette Portfolio elektrifiziert sein, wobei man Hybride und Mildhybride mit 48-Volt-Antrieb großzügig mit dazu rechnet.