CES Las Vegas: Samsung stellt offene Plattform für autonomes Fahren vor

Koreanischer Technologiekonzern will im Automotivebereich gehörig mitmischen und präsentiert eine Plattform für autonomes Fahren sowie ein neues digitales Cockpit mit der jüngst integrierten Tochter Harman.

Samsung goes automotive: Der koreanische Technologiekonzern bleibt mit Tochter Harman weiter am Drücker und präsentierte ein digitales Cockpit. | Foto: Samsung
Samsung goes automotive: Der koreanische Technologiekonzern bleibt mit Tochter Harman weiter am Drücker und präsentierte ein digitales Cockpit. | Foto: Samsung
Johannes Reichel

Samsung hat zur CES in Las Vegas eine neue Plattform präsentiert, mit der sich das Unternehmen als Partner für Automobilhersteller (OEMs) und Mobilitätsanbieter im Bereich des autonomen Fahrens positionieren will. Das sognannte DRVLINE™ soll eine offene, modulare und skalierbare hard- und softwarebasierte Plattform darstellen, die es Automobilherstellern ermöglicht, führende Technologien in neue Fahrzeuge zu integrieren. Damit könne die Plattform auch die Grundlage für zukünftige Flotten bilden. „Für die Entwicklung einer autonomen Plattform braucht es eine enge und branchenübergreifende Zusammenarbeit, denn ein Unternehmen allein kann die vielfältigen Chancen des autonomen Fahrens nicht nutzbar machen – die Herausforderungen sind schlicht zu groß und zu komplex“, beschrieb Young Sohn, President and Chief Strategy Officer bei Samsung Electronics sowie Chairmann of the Board bei HARMAN den Ansatz.

Die Ankündigung auf der CES folgt weiteren Schritten des Unternehmens im Automotive-Bereich im vergangenen Jahr. Dazu zählen die Übernahme von HARMAN, eines führenden Herstellers von Connected-Car-Technologien, in Höhe von 8 Milliarden US-Dollar, mit der eine strategische Business Unit im Automobilbereich geschaffen wurde. Weiter erwähnt der Hersteller die Gründung des Samsung Automotive Innovation Funds über 300 Millionen US-Dollar sowie eine Reihe weiterer Investitionen und Partnerschaften zur Förderung der Kollaboration im Automobilsektor.
 

"Plattformen für autonomes Fahren zwingen Anwender häufig dazu, sich einer bestimmten Lösung nach einem Alles-oder-Nichts-Prinzip zu verpflichten", begründet der Anbieter weiter. Bei der Samsung-Plattform könnten verschiedene Anbieter gemeinsam an ihr arbeiten, die Softwäre könne auf individuelle Bedürfnisse angepasst werden. Außerdem ließen sich einzelne Komponenten je nach Bedarf flexibel austauschen. OEMs hätten so die Chance, modernste autonome Technologie vertreiben und gleichzeitig neue Innovationen integrieren, während sie auf die Autonomiestufe 5 hinarbeiten. Die Plattform verfüge zudem über ein neues ADAS-Frontkamerasystem, das von Samsung und HARMAN entwickelt wurde und bereits auf die kommenden New Car Assessment Program-Standards (NCAP) ausgelegt ist. Hierzu gehören Spurverlassenswarnung, Kollisionswarnung, Fußgängererkennung und die automatische Notbremsung.

Über die autonome Plattform hinaus stellte Samsung gemeinsam mit HARMAN zur CES sein neues Digitales Cockpit mit OLED und QLED-Screens und digital hinterlegten Drehreglern vor, das 5G-Übertragungsstandard mit Internet-of-Things-Technologie verknüpfen soll. Ebenfalls mit an Bord ist ein Kamera-System, das die herkömmlichen Außenspiegel ersetzt und seine Bilder unter anderem auf einen Innen-Rückspiegel überträgt. 

Was bedeutet das?

Atemberaubend, wer alles mitspielen will bei der Neuerfindung der Mobilität. Klar, dass ein Riesenkonzern wie Samsung da mitspielen will, zumal wenn man über das IT- und Hardware-Knowhow eines Elektronikspezialisten verfügt und mit der Akquise von Harman zudem Zugang zum Automotive-Bereich erhält. Ob die OEMs auf das Angebot einer offenen Plattform für autonomes Fahren eingehen, darf man aber abwarten. Hier steckt doch zu viel an Schlüsseltechnologien von morgen drin, die die Fahrzeughersteller gerne so weit es geht bei sich behalten würden. Doch klar ist auch: Ohne das Wissen der Zulieferer und Elektronikriesen wird es nicht gehen.