CES 2019: Daimler Trucks treibt Entwicklung automatisierter Lkw voran

Premiere des Freightliner Cascadia in Las Vegas mit Automatisierung auf Level 2. Neuausrichtung beim Platooning: Bringt in der Praxis weniger als erhofft.

Teilautonom unterwegs: Auch im Freightliner Cascadia gibt es jetzt wie im Actros einen "Active Drive Assist" mit aktiver Querführung. Platooning bringt allerdings weniger als erhofft. | Foto: Daimler
Teilautonom unterwegs: Auch im Freightliner Cascadia gibt es jetzt wie im Actros einen "Active Drive Assist" mit aktiver Querführung. Platooning bringt allerdings weniger als erhofft. | Foto: Daimler
Johannes Reichel

Der Nutzfahrzeughersteller Daimler Trucks hat angekündigt, in den nächsten Jahren 500 Millionen Euro (rund 570 Millionen US-Dollar) in die Entwicklung hochautomatisierter Lkw (SAE Level 4) investieren zu wollen. Außerdem will der Hersteller über 200 neue Arbeitsplätze schaffen mit dem Ziel, innerhalb eines Jahrzehnts hochautomatisierte Lkw zur Marktreife zu bringen, wie es heißt. Hauptstandort hierfür ist das neue „Automated Truck Research & Development Center“ von Daimler Trucks & Buses in Portland (Oregon, USA). Das gab die Lkw-Sparte von Daimler auf der Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas bekannt.

Im Transportgewerbe sei Level 4 der nächste natürliche Schritt nach Level 2, um Effizienz und Produktivität für die Kunden zu steigern und die Kosten pro Kilometer signifikant zu senken", meint der Anbieter. Damit überspringe man den Zwischenschritt des sogenannten bedingt automatisierten Fahrens (Level 3).

"Level 3 bietet Lkw-Kunden keinen wesentlichen Vorteil gegenüber der jetzigen Situation, da den höheren Kosten für die hierfür notwendigen Technologien kein entsprechender Nutzen in der Praxis gegenüber steht", befindet der Hersteller.

Der neue Freightliner Cascadia bietet teilautomatisierte Fahrfunktionen (Level 2) und ist damit der erste teilautomatisierte Serien-Lkw auf nordamerikanischen Straßen. Seine Weltpremiere feiert er ebenfalls heute bei der Präsentation von Daimler Trucks auf der CES. Das neue System kann selbständig bremsen, beschleunigen und lenken.

"Im Gegensatz zu anderen Systemen, die erst ab einer bestimmten Geschwindigkeit eingreifen, ermöglichen Active Drive Assist / Detroit Assurance 5.0 teilautomatisiertes Fahren in allen Geschwindigkeitsbereichen in einem Serien-Lkw", erläutert Daimler dazu.

Neu sind die aktive Querführung und die Verbindung von Längs- oder Quersteuerung in allen Geschwindigkeitsbereichen. Die Verknüpfung von Radar- und Kamerainformationen bildet dafür die Basis.

Neubewertung: Platooning rentiert sich nicht

In diesem Kontext bewertet der Anbieter auch seine Sichtweise auf das Platooning neu, das sich offenbar in der Praxis kaum rentiert. Daimler Trucks hatte das Kolonnenfahren mehrere Jahre lang vor allem in den USA getestet, wo die größten Vorteile zu erwarten gewesen wären.

"Die Ergebnisse zeigen, dass die Einsparungen selbst unter optimalen Platooning-Bedingungen in der Praxis geringer ausfallen als erhofft. Wenn die einzelnen Fahrzeuge des Platoons zudem voneinander getrennt werden, müssen die Lkw jedes Mal beschleunigen, um wieder aufzuschließen. Dadurch wird zusätzlicher Kraftstoff verbraucht und das Einsparpotenzial sinkt weiter", skizziert der Hersteller.

Zumindest im Langstreckenverkehr in den USA ergebe sich daher kein Geschäftsmodell für Kunden, die beim Fahren im Platoon auf höchst aerodynamische Lkw setzen. Man werde sich aber selbstverständlich in allen noch laufenden Partnerprojekten weiterhin engagieren, beeilte sich der Hersteller anzufügen.

Die Truck-Sparte des Konzerns übernimmt Entwicklungen aus dem Geschäftsfeld Mercedes-Benz Cars, die auch für die Anforderungen von Transportunternehmen geeignet sind. Die schon jetzt verfügbaren Level 2-Systeme würden durch Innovation und die Neujustierung vorhandener Systeme auf Level 4 gehoben.

"Trotz aller Gemeinsamkeiten unterscheiden sich die Anforderungen an das hochautomatisierte Fahren bei Pkw und Lkw erheblich", erklärte der Hersteller.