CAR-Studie zum Pkw-Markt: SUV-Boom treibt die Leistung hoch

Erstmals steigt die durchschnittliche Leistung der Autos in Deutschland über 150 PS. Der Diesel stürzt ab, Benziner legen zu, Geländewagen-Trend hält an.

Schlecht fürs Klima: Die Nachfrage nach SUV hält an. Auch große Kaliber sind gefragt. Im Bild der 5,20 Meter lange BMW X7 am Stand in Genf, der Ende 2018 auf den Markt kommt und mit Biturbo-V8-Motor bis zu 462 PS Leistung bieten soll. / Foto: J. Reichel
Schlecht fürs Klima: Die Nachfrage nach SUV hält an. Auch große Kaliber sind gefragt. Im Bild der 5,20 Meter lange BMW X7 am Stand in Genf, der Ende 2018 auf den Markt kommt und mit Biturbo-V8-Motor bis zu 462 PS Leistung bieten soll. / Foto: J. Reichel
Johannes Reichel

Die Durchschnittleistung der in Deutschland neu zugelassenen Automobile ist erstmals über 150 PS gestiegen. Der Anstieg auf 152 PS, die ein Motor in einem Neuwagen leistet, stellt damit eine Steigerung um vier PS gegenüber dem Vorjahr da. Das ergab eine Studie des Center of Automotive Research an der Universität Duisburg-Essen. In den ersten Monaten des Jahres 2018 sei der Wert sogar auf 154 PS weitergeklettert, so die Statistik der Mobilitätsforscher. Gleichzeitig sank der Anteil der Fahrzeuge mit Diesel-Motor rapide von 49 auf jetzt nurmehr 32,5 Prozent. Wie CAR-Chef Ferdinand Dudenhöffer gegenüber der Süddeutschen Zeitung erklärte, sei der Leistungsanstieg umso bemerkenswerter, weil Diesel-Pkw bisher 26 PS stärker gewesen seien als Benziner.

Die Ursache für das PS-Wachstum sieht der Wissenschaftler im Boom des SUV-Segments, den Dudenhöffer weiter andauern sieht. Er räumte zugleich mit der von vielen Politikern geäußerten Mär auf, dass der Diesel-Motor für den Klimaschutz wichtig sei: "Steuerbegünstigter Dieselkraftstoff löst eine Enwicklung zu größeren, antriebsstärkeren Pkw aus, die dann im realen Fahrbetrieb mehr Kraftstoff und CO2 emittieren", so seine Analyse. Ein Wiedererstarken des Dieselmotors auf altes Niveau hält er für ausgeschlossen.

Was bedeutet das?

Power statt Eco - das ist für deutsche Autokäufer offenbar weiter die Maxime des Handel(n)s. In sich ist das logisch, schließlich brauchen die im wahrsten Sinne des Wortes schwer im Trend liegenden SUV auch mehr Pferdestärken, damit die Großkaliber angemessen beschleunigen. Für den Klimaschutz ist das natürlich Gift. Man kann nur einen weiteren Fall von dem ambivalenten Verhaltenszustand konstatieren, den Sozialpsychologen als "kognitive Dissonanz" bezeichnen. Wir wissen, es ist schädlich, tun's aber trotzdem, weil's halt so schön bequem und hoch und kutschenartig ist - und weil's schließlich alle tun. So wird das jedenfalls nichts mit der Mobilitätswende, liebe deutsche (und weltweite) Autokunden. Und auch nichts mit der Einhaltung der Flottengrenzwerte, liebe Autohersteller. Dieser Verkaufssegen ist ein doppelter Fluch.