Bollinger B1: Hardcore-Elektro-Offroader

Das 2014 gegründete US-Start-up Bollinger Motors hat ein extremes Elektrofahrzeug für harte Offroad-Einsätze konzipiert.

Maximal zeitlos und offroad-tauglich: der Bollinger B1. | Foto: Bollinger Motors
Maximal zeitlos und offroad-tauglich: der Bollinger B1. | Foto: Bollinger Motors
Gregor Soller

Schon die Adresse 60125 State Highway 10, Hobart NY 13788 im Bundesstaat New York macht klar, wie das Auto aussehen könnte, das hier konzipiert wurde. Sie beinhaltet nämlich eher nichts, außer einem kleinen, farmähnlichen Anwesen, in dem Robert Bollinger und seine Kumpel den Bollinger B01 schufen. Aus aufeinandergestapelten Pappkartons, was auch gleich das Design erklärt. Dabei handelt es sich um einen absolut minimalistisch-puristischen geradlinigen Offroader, der mit seiner zeitlosen Optik auf 3,81 Meter Länge irgendwo zwischen Ur-Land-Rover und dem Ur-Ford Bronco parkt und dort, wo andere den Motor haben, eine Durchladeklappe für Langgut besitzt.

Er steht auf einer soliden Plattform mit Platz für ein großes Batteriepaket im Fahrzeugboden, die aber nur rund 134 Kilogramm wiegen soll und trotzdem steif genug für harte Einsätze sein soll. Aktuell testet Robert Bollinger das auf diversen Hardcore-Felsentrails in Utah und Colorado. Der Bereich zwischen den Fahrgestell-Schienen unter Fahrer und Beifahrer wird vom Akkupack belegt, während die Hochspannungselektronik im Zentrum des Chassis möglichst weit unten montiert wurde.  Das sorgt für einen sehr niedrigen Schwerpunkt für maximale On- und Offroad-Stabilität, erfordert aber eine entsprechend gute Abdichtung gegen Feuchtigkeit. Dazu kommt, ganz old school, eine Untersetzung samt Differentialsperren für optimale Offroad-Eigenschaften, wie Chefentwickler Karl Hacken erklärt.

Die E-Maschine leistet aktuell nach "alter Rechnung" 360 PS und wuchtet rund 640 Newtonmeter Drehmoment an die beiden Achsen. Genug, um dem B1 für Elektrofahrzeuge üppige 2,7 Tonnen Anhängelast zu erlauben. Ebenfalls 2,7 Tonnen soll die Nutzlast betragen, wenngleich Bollinger es insgesamt bei 4,5 Tonnen Gesamtzuggewicht belässt. Die Reichweite gibt Bollinger je nach Akkupack mit bis zu 193 respektive 321 Kilometer an, je nachdem, ob man den 60- oder 100 kWh-Akku gewählt hat. Die Ladezeiten sollen dann sieben respektive zwölf Stunden betragen – an der Haushaltssteckdose – da sind die Cowboys mal ganz pragmatisch.

Mittlerweile hat der kantige Amerikaner bereits zahlreiche Sympathien eingefahren, die vor allem aus dem Jeep Wrangler, Land-Rover Defender-, Hummer-H1-  und Mercedes G-Lager stammen und kann unter Bollingermotors.com reserviert werden. Die Produktion soll 2018 starten, ob und in welche Länder exportiert wird, steht noch nicht fest.

Was bedeutet das?

Bollinger traut sich was und wird das Design NIE wieder ändern müssen und hätte ein Auto fürs Leben geschaffen. Wäre schön, wenn sich genug Interessenten fänden, um die Hardcorekiste in Serie gehen zu lassen. Um sie eines Tages auch nach Europa holen zu können.