Audi: "Nicht mehr alles, aber das Richtige machen"

Bei der Jahrespressekonferenz läutet Audi-Vorstandschef Bram Schot eine Transformation ein, die auch die Unternehmenskultur betrifft. Schot: "So etwas wie die Dieselkrise darf es nie mehr geben." Fokus auf Elektrifizierung und Digitalisierung. Fuel Cell soll "Diesel von morgen" werden.

Fokussierung auf das Richtige: Dazu zählt Audi-Vorstand Bram Schot ganz klar die Elektrifizierung, die bei der Jahrespressekonferenz breiten Raum einnahm. | Foto: J. Reichel
Fokussierung auf das Richtige: Dazu zählt Audi-Vorstand Bram Schot ganz klar die Elektrifizierung, die bei der Jahrespressekonferenz breiten Raum einnahm. | Foto: J. Reichel
Johannes Reichel

Die Volkswagen-Tochter Audi will mit aller Kraft die Krise hinter sich lassen und forciert die Elektrifizierung und Digitalisierung. Bis Ende 2020 will der Hersteller fünf vollelektrische Fahrzeuge sowie sieben Plug-In-Hybride auf den Markt bringen. Bis 2030 sollen es bereits 30 Modelle sein. Vor dem Hintergrund der verschärften CO2-Flottengrenzwerte ist das allerdings auch eine blanke Notwendigkeit: Laut Audi-Vorstandschef Bram Schot liege die Flotte derzeit bei 129 g CO2/km, weit entfernt vom 95-Gramm-Ziel für 2021. Auch die Brennstoffzelle spielt in der Antriebsstrategie der Marke nach wie vor eine Rolle, während von Erdgas (g-tron) überhaupt keine Rede mehr war:

"Wir setzten auf Langstrecken heute noch auf den Diesel, in Zukunft auf die Brennstoffzelle", meinte Entwicklungschef Hans-Joachim Rothenpieler.

Die Fuel Cell werde der Diesel der Zukunft sein, zeigte er sich überzeugt, dann in Kombination eines Plug-In-Hybrid-Fahrzeugs mit Brennstoffzelle als Range-Extender. Bei Audi ist auch die Konzernkompetenz für das Themenfeld angesiedelt, auf das man auch für schwerere Modelle und Nutzfahrzeuge setzte. "Bei Audi wird jeder Kunde das passende E-Modell finden. Wir meinen es ernst", versprach Audi-Vorstandsvorsitzender Bram Schot. Man wolle den Konzern konsequent entschlacken und sich klarer fokussieren. Sogar Ikonen wie der Audi TT stehen auf dem Prüfstand. 15 Milliarden Euro will man an Kosten einsparen, im Gegenzug sollen bis 2023 14 Milliarden Euro in Elektrifizierung und Automatisierung fließen.

"In Zukunft wollen wir nur noch die richtigen Dinge machen - und die dann richtig machen. Es wird Dinge geben, die wir in Zukunft nicht mehr machen", kündigte Schot an.

Man habe sich in der Vergangenheit zu oft um sich selbst gedreht und in "technische Details vertieft, die der Kunde gar nicht nachgefragt hat". Das könne man sich nicht mehr leisten, betonte Schot.

Antrieb künftig weniger entscheidend, aber digitale Dienste

In Zukunft werde aber der Antrieb eines Autos weniger entscheidend sein. "Viel wichtiger sind Vernetzung und Gesamtcharakter des Modells", weswegen man auch digitale Services entwickle und einen Fokus auf Mobilitätsdienste lege. Bei der Software-Entwicklung wolle künftig mehr Synergien innerhalb des VW-Konzerns nutzen. Die Digitalisierung soll zeitnah eine Millarde Euro zum Ergebnis beitragen. Den ersten vollelektrischen Audi e-tron geben es erstmals mit sogenannten "Functions on Demand, flexibel zubuchbare Sonderausstattungen. Schot verwies auch auf das Start-up-Unternehmen "holoride", mit dem man die Plattform "myAudi" für Dritte öffne. Erstmals testet man bei einer Sonderedition des Audi TT auch die Onlinevermarktung von Neuwagen. Dieses Geschäftsfeld will man in Zukunft weiter ausbauen, hieß es bei der Pressekonferenz.

"Erst attraktive digitale Services machen aus dem Auto das Smartphone auf Rädern", zeigte sich Finanzvorstand Alexander Seitz überzeugt.

Man wolle hier aber auch schauen, was der Wettbewerb mache. Bei diesem Thema sieht Schot aber nicht nur BMW, Mercedes oder Tesla als Konkurrenz, sondern explizit auch Player wie Google, Uber oder Tencent. Auch von diesen wolle man lernen.

WLTP: Haben Stresstest nicht bestanden

Zuvorderst und gleichzeitig gelte es aber, die Hausaufgaben beim Stammgeschäft mit konventionellen Modellen zu machen. Schot gestand ein, dass man die Umstellung auf den neuen Prüfzyklus WLTP nicht gut bewältigt habe. Finanzchef Seitz sprach von einem "Stresstest, den wir trotz intensiver Vorbereitungen nicht bestanden haben" und gestand organisatorische Defizite ein. Die Umstellung habe zu Lücken im Angebot geführt und auch zu Schichtausfällen, meinte Schot. Insgesamt sanken die Auslieferungen WLTP-bedingt um 3,5 Prozent. Aber man habe daraus gelernt und wolle für die anstehende Änderung auf WLTP second act gewappnet sein.

"Wir haben die Motor-Getriebe-Varianten um 30 Prozent reduziert. Zusätzlich haben wir die Prüfstands-Kapazität um 30 Prozent erhöht und 300 weitere Mitarbeiter für die Homologation aufgebaut", erklärte Schot.

Volumenpush aus China

Finanzchef Seitz wies aber auch auf Erfolge hin, wie die erneute Marktführerschaft in China mit mehr als 660.000 Auslieferungen und einem Plus von elf Prozent, "ein Volumenpush, den wir in diesem schwierigen Jahr gebraucht haben", resümierte Seitz. Hier wolle man weiter vorneweg fahren, mit lokaler Forschung und Entwicklung sowie Partnerschaften und "China-Only-Produkten". Bis 2022 sollen zwölf Modelle lokal in China gefertigt werden.

Audi erwartet dennoch eine große Herausforderung und ein schwieriges Marktumfeld. Die ersten beiden Monate wiesen schon mal ein Auslieferungsminus von von 5,5 Prozent aus. Im Jahresverlauf hofft man aber auf ein moderates Volumenplus. Vor allem die Elektro-Fahrzeuge sollen zum Zugpferd werden:

"Die BEV-Penetration wird sich besser entwickeln als zunächst geplant, weil die total-cost-of-ownership deutlich attraktiver sein werden als bei einem Verbrenner", zeigte sich Seitz überzeugt.

Klar ist für Audi, dass man die Elektrifizierung nicht nur mit energieintensiven SUV-Modellen vorantreiben will. "Bei uns wird der Kunde die Wahl haben, wir bringen auch flache Elektro-Autos", erklärte Entwicklungschef Rothenpieler, der weniger im Gewicht als in der Größe der Fahrzeuggattung ein Problem im Hinblick auf den Verbrauch sieht. Der Markt bestimme darüber, so die Maxime.