Aiways RG „Nathalie“: Revolution mit Methanol!

Nach seiner Bodenrakete „Apollo“ stellt Roland Gumpert jetzt „die“ RG Nathalie vor – ein Supersportwagen, der wie Gumperts Tochter (der Namensgeberin) mittlerweile sehr erwachsen antritt.

Am Nürburgring feiert "Nathalie" Europapremiere. | Foto: G. Soller
Am Nürburgring feiert "Nathalie" Europapremiere. | Foto: G. Soller
Gregor Soller

Roland Gumpert gehört zu den Daniel Düsentriebs der Autowelt – bei Audi baute er den Asia-Pacif-Vetrieb auf und knüpfte da Kontakte nach China, war Motorsport-Direktor und gründete dann seine eigene Sportwagenmanufaktur in Altenburg. Die wie viele Kleinstserienhersteller 2013 die Fertigung des Apollo wieder aufgeben musste, während es bei Gumpert zur „Explosion“ kam – im besten Sinne. Denn der Gumpert „Explosion“ war die Blaupause für den RG Nathalie: Einem Stromer, der nicht liegenbleibt, wenn die Batteriekapazität erschöpft ist.

Womit wir mitten im Thema wären. Denn äußerlich tritt der Supersportler „RG Nathalie“, der nach Gumpert Tochter benannt wurde, sehr dezent und solide auf. Man könnte fast sagen, Gumperts Autos wurden wie seine Tochter „erwachsen“. Und punkten jetzt mit ganz neuer Technik: Einer per Methanol befeuerten Brennstoffzelle. Natahlies „Herz“ ist eine sogenannte „Power Cell“, die aus einem Methanol-Wasser-Gemisch permanent Strom zum Nachladen des Akkus erzeugt. Womit Gumpert die Ladestation „ins Auto“ geholt hätte.

Und das funktioniert im Detail so: Die Methanol-Powercell MPC nutzt Methanol als Energieträger (4 Wasserstoffatome, 1 Kohlenstoffatom und 1 Sauerstoffatom). Damiz umgeht Gumpert nach eigenen Angaben die Gefahren, die flüssiger oder gasförmiger ungebundener Wasserstoff in sich trägt, weil er hochexplosiv, flüchtig und leicht brennbar ist. Damit will man die Nachteile herkömmlicher Brennstoffzellenautos vermeiden wie extrem hohen Druck im Tank, Explosionsgefahr und hohe Flüchtigkeit des reinen Wasserstoffs. Außerdem kostet Methanol aktuell rund ein Drittel des Benzinpreises. Um das Tankstellennetz möchte sich Gumpert mit dem neuen chinesischen Investor im Rücken, Aiways, selbst kümmern: Überall, wo Fahrzeuge verkauft werden, sollen auch Methanoltankstellen entstehen. Dazu können alle Normalbenzintanks und/oder –Zapfstellen genutzt werden. Die Kosten für den Umbau der Dichtungen und das Spülen berechnet man bei Gumpert mit rund 20-30.000 Euro – womit die Investitionen sehr überschaubar bleiben. Natürlich können Tankstellen von ein paar Supersport-„Nathalies“ auf Dauer nicht existieren, wohl aber von Aiways-Modellen mit gleicher Technik oder Fahrzeuge, welche die Technik in Lizenz an Bord haben. Zu Aiways und den dezidierten Plänen berichten wir jedoch separat.

Also: Gumperts Methanol-Powercell (MPC) verbraucht zur Herstellung von 5kW Elektrizität nach Angaben des Herstellers pro Stunde ca. 4,5 Liter eines Methanol-Wassergemischs (60% Methanol/ 40% Wasser). Damit soll Nathalie bei Stadtgeschwindigkeit rund 50 Kilometer weit kommen. Die  MPC arbeitet nach dem HTPEM (High Temperature Proton Exchange Membrane) Prinzip: Für die Hochtemperatur-Brennstoffzelle muss der Wasserstoff nicht extrem rein sein. Gewonnen wird er aus einer katalytischen Reaktion aus Methanol. Der während des katalytischen Prozesses anfallende Wasserstoff-Überschuss, wird üblicherweise verschwendet. Nathalie nutzt ihn jetzt, um die Temperatur für die katalytische Reaktion in Gang zu halten. Somit kommt man auf einen elektrischen Wirkungsgrad von rund 45 Prozent. Zum Vergleich: Bei einem herkömmlichen Verbrenner sind es 25 Prozent. Falls gewünscht, kann man den Akku aber auch einfach nachladen – er hat 60 kWh Kapazität. Ansonsten fährt man wie gewöhnt an die Zapfsäule und tankt eben Methanol statt Benzin oder Wasserstoff.

Was bedeutet das?

Roland Gumpert baut wieder einen Supersportwagen. Diesmal elektrisch mit Brennstoffzelle und implementiert diesem aber ein schlüssiges Energiekonzept. Wenn er mit Aiways jetzt ein Methanol-Netz aufgebaut bekommt, wäre das eine weitere hochinteressante Antriebsalternative.