21. Technischer Kongress des VDA: Bunter Abschluss des ersten Tages

Unter der Überschrift Mobilität und CO2 wurden die unterschiedlichsten Referenten zusammengespannt – mit ganz erstaunlichen Aussagen!

Das letzte Panel war inhaltlich das Bunteste. Es waren vertreten: Shell, BW Netze und Michelin. | Foto: G. Soller
Das letzte Panel war inhaltlich das Bunteste. Es waren vertreten: Shell, BW Netze und Michelin. | Foto: G. Soller
Gregor Soller

Den ersten Tag beschlossen zwei parallele Veranstaltungen, von denen Mobilität und CO2 bunt und spannend besetzt waren. Es begann Dr. Christoph Müller von Netze BW, der über die Herausforderungen und Risiken der Elektromobilität aus Sicht der Netzbetreiber referierte. Und erklärte, dass man intern bereits seit 1985 E-Mobilität teste und der E-Golf 2, der damals angeschafft wurde immer noch liefe! Die Frage sei nun, ob man mal ein neues Kennzeichen beantragen solle und wenn ja, ob man dann ein „E“ oder „H“ am Ende stehen hätte. Die ganz großen Probleme (EEG-Umlage 2012 und die Anschwärzung in der Gesellschaft) hätten die Energieanbieter und Verteiler bereits hinter sich – Hauptproblem sei nach wie vor, dass der Strom gleichzeitig hergestellt und verbraucht würde, man künftig Energie aber besser puffern müsse. Insofern sei eine der großen Herausforderungen die Dekarbonisierung der Strombevorratung. Außerdem fragte er nach den Investitionen, die in erneuerbare Energien fließen und rief die 24 Milliarden Euro Subventionen auf, die dafür bereits getätigt wurden, und resümierte: „Gegen die Rettung der Welt rechnet sich einfach Alles!“ Was er damit ausdrücken wollte: Politischer Wille kann durchaus viel bewegen, allerdings sollte man sehen, wo und wie man ihn kanalisiert. Die größte Herausforderung sieht er in Dezentralisierung der Energiewirtschaft: Etliche Firmen und Hauseigentümer würden zu Selbstversorgern, doch vom Netz sei noch keiner gegangen. Denn wenn der Strom fehlt, geht gar nichts mehr – was bei schwankenden Einspeisungen erneuerbarer Energien durchaus passieren könne. Insofern könnte dem heutigen Energieversorger morgen vielleicht die Rolle des Energieversicherers oder Energierückversicherers zufallen.

Danach folgte Dr. Wolfgang Warnecke, seines Zeichens Chief Scientist bei Shell. Und ging mit seinem typischen direkten hanseatischen Charme auf die Bedeutung der E-Fuels ein: „Macht doch endlich E-Fuels, das kann doch nicht so schwer sein!“. Das sei eine Forderung, die immer wieder an Shell herangetragen würde. Ist es bei gesamtwirtschaftlicher Betrachtung aber doch: Denn E-Fuels erreichen bei weitem nicht die Wirkungsgrade herkömmlicher Spritsorten und könnten Stand heute nicht mal dem normalen Sprit beigemischt werden. Zumal es weltweit immer noch keine großtechnische Anlage gebe, die E-Fuels herstelle und mit „großtechnisch“ meint Warnecke etwas, das mit großen petrochemischen Einrichtungen vergleichbar sei. Außerdem müsse man sich fragen, wie sauber man den Verbrenner wirklich bekäme. Und auch er macht eine Well-to-Wheel-Betrachtung, bei der die Batterietechnik immer interessanter wird, je kompakter die Fahrzeugeinheiten sind. Entsprechend stellt sich auch Shell auf. Also keine E-Fuels? Doch, denn bei den Themen Aviation und der Schiffahrt über lange Distanzen, sei das eine Option für die Zukunft!  

Der dritte Vortrag von Frédéric Biesse von Michelin beschäftigte sich mit der Fahrsicherheit der Reifen und dem Abrieb. Hochinteressant: Beim Trockenbremsen sind abgefahrene Reifen teils besser als Neureifen. Beim Nassbremsen ist es dagegen immer umgekehrt! Und wie diverse Messungen diverser Reifenfabrikate bei Michelin ergaben: Nicht alle Reifen bauen gleichermaßen ab! Womit Biesse den Schwenk zum Umweltschutz einleitete: Denn meist werden Reifen mit drei Millimeter Restprofil getauscht, erlaubt wären aber 1,6 Millimeter. Deshalb zielt Michelin darauf ab, die Performance der Pneus bis zu dieser Marke zu erhalten, denn: So ließen sich nochmal 30.000 Kilometer ohne Extrainvest abspulen und vor allem im Europa bis zu 6,6 Millionen Tonnen CO2 jährlich sparen. Womit Biesse einen unerwarteten und spannenden Schlusspunkt setzte.

Was bedeutet das?

Das bunte Panel räumte mit vielen Binsenweisheiten auf und brachte erstaunliche Erkenntnisse aus grundverschiedenen Bereichen mit.