Mobilität

Umstellung voller Energie

Wie ein Energieunternehmen auf Elektromobilität umstellt – 
für die Kunden und bei sich selbst.

Freuen sich über die drei neuen E-Mobile für EnBW und Netze am Standort Biberach (v.l.n.r.): Klaus Härle, Franz Karl Welser, Peter Kienast, Jürgen Müller. | Bilder: EnBW
Freuen sich über die drei neuen E-Mobile für EnBW und Netze am Standort Biberach (v.l.n.r.): Klaus Härle, Franz Karl Welser, Peter Kienast, Jürgen Müller. | Bilder: EnBW
Gregor Soller

Es wurde Zeit: „time2charge“ nannte EnBW seine groß angelegte Mobilitätskampagne, bei der man die Elektromobilität nicht nur (potenziellen) Kunden schmackhaft machen wollte, sondern auch gleich den eigenen Fuhrpark integriert hat.

Das beinhaltet natürlich den großräumigen Auf- und Ausbau von Ladeinfrastruktur, und sieht unter anderem Komplettlösungen für Kunden, wie zum Beispiel Hyundai, vor. Dabei engagierten sich die Baden-Württemberger zum Beispiel als Partner für die Ausrüstung von Händlern und Servicestellen der Hyundai Motor Deutschland mit Ladestationen für Elektrofahrzeuge. Zum Marktstart des elektrischen Ioniq wurde der Karlsruher Energieversorger für die rund 560 deutschen Hyundai-Vertragshändler und Servicestellen bevorzugter Partner für Aufbau und Betrieb der Elektroladevorrichtungen. Dazu bietet man Hyundai-Kunden an, über ihren Händler EnBW-Ladeeinrichtungen für zu Hause und Ladekarten für öffentliche Ladestationen des Unternehmens zu beziehen. Außerdem können die Hyundai-Händler auch Ökostrom-Lieferverträge mit der EnBW abschließen. „Unser Ziel ist es, E-Mobilität in Deutschland durch ein dichtes Netz von Ladestationen einfach und komfortabel zu machen. Dass wir Hyundai als Partner gewinnen konnten, ist für uns ein weiterer wichtiger Schritt auf dem Weg dorthin, und eine Bestätigung, dass wir clevere Lösungspakete für unsere Kunden haben“, kommentiert Thomas Stebich, der im EnBW-Innovationsprojekt time2charge den Aufbau von Elektroladeinfrastrukturen für Unternehmen verantwortet.

Die größte Herausforderung ist 
das Nutzerprofil

Hört sich einfach an, hatte aber seine Tücken, zumal EnBW auch den eigenen Fuhrpark auf Elektromobilität umgestellt hat. Fuhrparkmanager Norman Scheck erinnert sich: „Die größte Herausforderung lag in der Analyse des Nutzerprofils. Also die Frage: Zu welchem Nutzer passt optimal ein Elektrofahrzeug mit den derzeit möglichen Reichweiten?“ Darüber hinaus ging es laut Scheck um den Aufbau der Ladeinfrastruktur speziell mit den Anforderungen aus dem Flottenmanagement, also zum Beispiel der Übermittlung von Zählerständen, um Verbrauchberechnungen pro Kilometer abzuleiten.

Darauf folgt natürlich gleich die Frage, ob es auch schon eine Kostenbetrachtung seitens EnBW gibt. Die sei laut Scheck noch schwer in Zahlen zu fassen: „Isoliert betrachtet, ist es schwierig, der Elektromobilität jetzt schon Einsparungen zuzurechnen. Insbesondere, wenn man auch die notwendige Ladeinfrastruktur berücksichtigt.“ Wobei Scheck durchaus der Meinung ist, dass es ganzheitlich betrachtet – einschließlich Reputation oder den erzielten CO2-Flottenwerten – „natürlich anders aussehen kann“. Auch das Lademanagement funktioniere sehr gut, und die Anlagen laufen sehr stabil. Lediglich zu Beginn entstand laut Scheck ein höherer Aufwand bezüglich Information zum Ladevorgang. Entsprechend plane man auch, die Elektrofahrzeugflotte im Konzern weiter auszubauen: „Je höher die Reichweite neuer Fahrzeuge, desto größer das potenzielle Nutzerfeld“, erklärt Scheck hier das Vorgehen.

Ausweitung in die Fläche – 
bis nach Oberschwaben

Damit bezieht er sich auf den großen Anteil ländlicher Gebiete wie der Alb oder Oberschwaben, weshalb EnBW auch ein Auge auf die Fläche hat: Und da man „mit gutem Beispiel vorangehen“ wolle, elektrifiziert man die eigene Flotte auch in Unterzentren, wie zum Beispiel dem oberschwäbischen Biberach, das vor einigen Monaten drei neue Elektrofahrzeuge sowie zwei zusätzliche Ladestationen erhielt. Denn die Großstädte Stuttgart und Karlsruhe gehören längst zu den Hochburgen elektrischer Ladeinfrastruktur in Deutschland, die natürlich auch die größten Standorte von EnBW und Netze BW beherbergen. Dort kommen mittlerweile fast 100 Elektromobile zum Einsatz. „Wir können diese Antriebsform aber auch im ländlichen Raum voranbringen“, zeigt sich EnBW-Mitarbeiter Klaus Härle aus Biberach überzeugt. Für dienstliche Einsätze seines Teams der Kommunalberater steht nun ein E-Golf bereit, der den bisherigen E-Smart ersetzt. Härle ist sicher, dass „mit der Reichweite von rund 250 Kilometern mehrere Termine in der Region gut zu schaffen sind“. Der gleichen Auffassung ist auch Peter Kienast, der in Oberschwaben die Projektierungen und Bauleitungen der Netze BW verantwortet. Zumindest im Großraum Biberach werden zwei seiner Mitarbeiter zukünftig auch in E-Golfs die Vor-Ort-Termine bei Projekten und Baustellen absolvieren. Deren Interesse und die Neugier seien enorm. Zum Nachladen stehen für die drei Fahrzeuge seit kurzem zwei Wallboxen auf dem Gelände des Fuhrparks zur Verfügung. „Damit können wir das Fahrzeug bei einer Leistung von elf Kilowatt innerhalb von etwa fünf Stunden volltanken“, erläutert Härle. Öffentliches Laden ist weiterhin an der Multifunktionsleuchte „SMIGHT“ vor dem Eingang des Regionalzentrums Oberschwaben möglich. Bei den Kunden verzeichnet man ebenfalls steigendes Interesse, auch bei Flotten, wie EnBW-Produktmanager Philipp Heidel erklärt: Insgesamt hätte man mittlerweile Gespräche mit mehreren hundert Interessenten geführt. „Die Nachfrage nach Lademöglichkeiten für Flottenfahrzeuge, insbesondere aber auch für Mitarbeiterfahrzeuge, zieht im letzten halben Jahr deutlich an.“ Die größten Herausforderungen liegen allerdings woanders: Laut Heidel ist das aktuell eher die lange Lieferzeit von neuen Elektrofahrzeugmodellen. Außerdem fehle noch eine rechtssichere Abrechnungsmöglichkeit von Ladevorgängen für Mitarbeiter und Gäste nach Kilowattstunden. Immer beliebter wird auch das Lademanagement innerhalb eines Unternehmens: Das funktioniert nach Aussagen Heidels durch die Kommunikation der Ladepunkte untereinander. So wird die Überschreitung einer vorher festgelegten Lastobergrenze vermieden. „Im Unternehmenskontext hat man für gewöhnlich recht hohe Standzeiten der Fahrzeuge, sodass auch niedrige Ladeleistungen für ein Vollladen ausreichen. Somit ergeben sich im Normalfall keine Engpässe“, kennt der Produktmanager die Praxis. Im Vergleich zum „Zu-Hause-Laden“ von Privatfahrzeugen stelle das Laden von Elektrofahrzeugen im Unternehmen deshalb auch eine geringere Herausforderung für die Netzbetreiber dar. Das Engagement von EnBW wurde von der Initiative „mobil gewinnt“ ausgezeichnet. Einer Initiative, die vom Bundesumweltministerium (BMUB) und vom Bundesverkehrsministerium (BMVI) ins Leben gerufen wurde, um das Thema betriebliches Mobilitätsmanagement in Deutschland zu stärken und damit einen Beitrag für ein modernes und nachhaltiges Verkehrssystem zu leisten. Die Initiative umfasst einen bundesweiten Ideenwettbewerb und kostenlose Erstberatungen für Unternehmen. Letztere kann EnBW selbst leisten: Denn der Zeit zu laden – „time2charge“ – ist extern und intern eine „time2change“, also eine Zeit zu wechseln, vorausgegangen, die EnBW voller Energie angegangen ist.

EnBW-Fuhrpark

Fahrzeuge: 1.800 PKW, 1.200 Nfz davon 160 elektrisch, 7 PHEV.
Elektrifizierte Fahrzeugtypen: BMW i3, Renault Zoe, Smart Electric, Streetscooter, VW E-Golf, VW e-up.
Jahreskilometer: Keine exakte Durchschnittsanagabe möglich, da Einsätze und Regionen stark variieren.
Finanzierungsart: Full-Service-Leasing.

Referenz Ausgabe
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