Konnektivität

Das Parkhaus als autonome Serviceoase

Der Volkswagen-Konzern zeigte ein Pilotprojekt zum autonomen Laden und Parken – womit das Parkhaus ab 2021 zur Serviceoase werden könnte. (Von Dietmar Fund)

Autonomes Parken und Laden erfordert Bildmarker an Säulen und Querträgern sowie Übergabezonen im Parkhaus. | Bilder: D. Fund; Volkswagen Group
Autonomes Parken und Laden erfordert Bildmarker an Säulen und Querträgern sowie Übergabezonen im Parkhaus. | Bilder: D. Fund; Volkswagen Group
Redaktion VISION mobility

Der Volkswagen-Konzern möchte „ab Anfang des nächsten Jahrzehnts“ das autonome Parken als Sonderausstattung anbieten, auch wenn die Serienreife noch nicht beschlossen ist.

Der Fahrer kann seinen Wagen dann an einer Übergabestation am Parkhaus verriegeln und per App den selbsttätigen Einparkvorgang starten. Gelenkt von Kameras und Sensoren und geführt von Tafeln im Parkhaus sollen die Fahrzeuge anschließend selbsttätig ihren Parkplatz finden. Bei der Abholung aktiviert der Fahrer die App ein paar Minuten im Voraus und wartet in einer Übergabezone, bis sein Auto von alleine anrollt. Gebucht und bezahlt wird über die App. Das verkündete Volkswagen bei einer Pressekonferenz am Hamburger Flughafen: Dort wurde für das Pilotprojekt ein Teil eines Parkhauses für einige Monate gesperrt, um das autonome Parken zu entwickeln.

Laut Christoph Blume, Leiter der Unterabteilung für pilotiertes Fahren, besteht die Herausforderung darin, mit den Daten bereits heute eingebauter Sensoren der Park-Distance-Control, von Radarsystemen und von Kameras ein Umfeld zu erzeugen, in dem sich das Fahrzeug sicher bewegt. Es soll dann selbstständig an dem Parkplatz einparken, den ihm das System zugewiesen hat.

Im Falle eines E-Autos könnten das Stellplätze mit Ladesäule sein, an denen ein „Tankroboter“ das Fahrzeug automatisch lädt. Denkbar ist auch das anschließende Umparken des Stromers, sobald die Akkus voll sind. Selbst das Liefern, zum Beispiel von gereinigter Kleidung während der Parkdauer, wäre denkbar. Denn das System setzt voraus, dass man das Fahrzeug per App öffnen und starten kann. Über diese Funktion ließe sich ein begrenztes Zeitfenster zum Öffnen des Fahrzeuges für solche Lieferungen freigeben.

Wie die Entwickler durchblicken ließen, wird momentan die voraussichtliche Parkzeit in der App nicht abgefragt, welche die Abholung vereinfachen und für kurze Wege sorgen könnte. Falls ein großer Flieger ankommt und viele Fluggäste gleichzeitig vom Ankunftsgate aus ihr Auto in die Auslieferzone bestellen, müssen sich die Ingenieure offenbar noch über deren Ausgestaltung Gedanken machen. Sonst käme es dort schnell zum Stau, wenn diejenigen, die es besonders eilig haben, doch nicht so schnell dorthin kommen oder lange dort warten müssen.

Wie Johann Jungwirth, Chief Digital Officer des Volkswagen-Konzerns, intern nur „J.J.“ genannt, erläuterte, wird das autonome Parken ab 2021/2022 als Sonderausstattung angeboten und zunächst in abgesperrten Teilen von Parkhäusern als „Exklusivverkehr“ weiter entwickelt. In einem zweiten Schritt soll es auch für den „Mischverkehr“ ertüchtigt werden, bei dem auch Menschen mit ihren Autos im Parkhaus unterwegs sind. Das könne etwa zwei Jahre später der Fall sein und würde es auch erlauben, sein Auto auf Supermarktparkplätzen automatisch einparken zu lassen. Jungwirth bezeichnete das autonome Parken als den nächsten Teilschritt hin zum autonomen Fahren.

Beim rein autonomen Parken rechnen die Parkhausbetreiber mit einem wesentlich geringeren Raumbedarf, weil der Platz wegfällt, den ein- und aussteigende Fahrer zum Öffnen der Türen brauchen. Das war für Michael Eggenschwiler ein Grund, das Projekt zu unterstützen. Der Vorsitzende der Geschäftsführung des Hamburger Flughafens findet am autonomen Parken aber auch reizvoll, dass seine täglich 48.000 Passagiere ihre An- und Abreise so entspannter gestalten könnten.

Im Schnitt sucht jeder jährlich 41 Stunden (!) einen Parkplatz

Frank Horch, Senator für Wirtschaft, Verkehr und Innovation der Freien und Hansestadt Hamburg, erhofft sich vom autonomen Parken eine Entspannung beim Parken in Großstädten, wo die Bürger durchschnittlich 41 Stunden pro Jahr für die Suche nach einem Parkplatz bräuchten. Hamburg unterstütze daher dieses Projekt und sehe sich so als Modellstadt für andere Citys in dieser Größenordnung.

Johann Jungwirth hatte dazu noch eine andere Formel parat: „Wir wollen die 30 Prozent der Fahrzeit, die die Menschen im Stadtgebiet mit der Parkplatzsuche verbringen, auf null reduzieren“, erklärte er plakativ die Strategie des Konzerns, „Mobilität für alle“ unter dem Schlagwort „Mobility as a service“ anzubieten. Damit sind dann aber auch selbstfahrende Fahrzeuge für den Individual- und den Sammelverkehr gemeint und nicht nur das automatische Einparken von Fahrzeugen.

Laut Jungwirth möchte der Volkswagen-Konzern Mobilitätsdienstleister werden. Und Mobilität damit auch für die nicht mobilen Bürgerinnen und Bürger wie Blinde, Kranke, Kinder und ältere Menschen anbieten. Das Mittel dazu seien selbstfahrende Autos. Der Prototyp „Sedric“ (für self driving car) sei zunächst als Viersitzer für den Flottenbetrieb ausgelegt und solle später auch zu kaufen sein. Jungwirth sprach von fünf Wertschöpfungsebenen, auf denen man statt 2.000 Dollar pro Auto über die gesamte Nutzungsdauer insgesamt bis zu 14.000 Dollar oder pro Jahr 4.600 Dollar verdienen könne. Die erste Ebene, das Selbstfahren, wolle Volkswagen mit Partnern angehen. Die zweite Ebene, die Fahrzeuge für einen bestimmten Zweck, zum Beispiel für die Beförderung von Tür zu Tür, wolle Volkswagen selbst bestreiten, unter anderem mit den Shuttles der Mobilitätstochter Moia. An der Ebene drei, dem Flottenbetrieb, arbeite Moia aktiv. Hier wolle der Konzern auch mit Partnern zusammenwirken. Die Ebene vier, eine Plattform für die Vermittlung und das Zusammenlegen von Fahrten, solle Moia aufbauen.

Zur Beteiligung des Konzerns an der Ebene fünf, den Content-Anbietern, die beispielsweise werbefinanzierte Angebote zur Unterhaltung ins autonom fahrende Auto einspielen sollen, äußerte sich „J.J.“ nicht.

 

Auf den Punkt

Es ist … eine der angenehmsten und wichtigsten Formen autonomen Fahrens.

Schön, dass … VW gleich zusätzliche Services wie Laden und Liefern mitdenkt.

Schade, dass … manche Details noch nicht geklärt sind – zum Beispiel, wenn ganz viele Kunden gleichzeitig an- und abfahren.

Was haben Flotten davon? Entspanntere Mitarbeiter und weniger Parkkratzer und -dellen.

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