SXSW 2018: Mobilität zwischen vorgestern und übermorgen

Gregor Soller

Die South by Southwest ist all das, für das die USA im positiven Sinne stehen: Offenheit und Toleranz, gepaart mit einer gewissen Lässigkeit, die auch den Fahrzeugen gegenüber gilt.

Autos zuzulassen ist in den USA deutlich einfacher als in Europa: In Austin fahren rechtsgelenkte schrottreife Japan-Importe OHNE Stoßfänger und Motorhaube, 70er-Jahre Corvettes, deren Motor sich weit und lautstark über die Haube erhebt, donnernde Uralt-Harleys, die natürlich ohne Helm gefahren werden, jede Menge Pickup-Trucks, flüsternde Benziner, Hybride und der EQ-Prototyp von Mercedes – auf einem abgesperrten Straßenstück.

Ladesäulen für Elektromobilität? Eher gar nicht, auch wenn mittlerweile einige Teslas unterwegs sind. Natürlich nutzt auch Elon Musk die SXSW, um seine Modelle vor einem Hotel anzupreisen, doch der künstliche Rasen und das Publikum erinnern eher an Grünwald als an Grunge und wirken fast etwas deplatziert hier. Da stellt Musk heute lieber in Halle 5 des Convention Center sein Raketenprojekt vor, das hier irgendwie auch besser passt. Zukunftsthemen werden so leidenschaftlich diskutiert, wie die unterschiedlichsten Fahrzeuge hier bewegt werden.

Was bedeutet das?

Die USA probieren nach wie vor gern aus, sind aber extrem tolerant, was den Fahrzeugzustand angeht – und die Abgasnorm. Hier wird Freiheit über Fahrverbot gestellt und man darf gespannt sein, wie sich die viel gehypte Elektromobilität abseits des Silicon Valley entwickeln wird.