Paris 2018: Autohersteller Vinfast feiert Weltpremiere

Gregor Soller

Vom Instant-Nudel- zum Autohersteller: Vinfast wird Vietnams erster Automobilhersteller

Mit Vinfast steigt ein vietnamesischer Hersteller in die Automobilproduktion ein. Die Marke hat den nötigen finanziellen Background aus dem landesweit größten privaten Konzern, der Vingroup, arbeitet dazu mit Kooperationen. Darunter BMW oder Pininfarina und vielen mehr. Ab Ende 2019 soll die Fertigung starten. Die Geschichte von Vinfast klingt abenteuerlich, aber stimmig und entspricht dem Turbokapitalismus, der in Asien dank großer Märkte möglich ist. Der junge Vietnamese Pham Nhat Vuong erkannte entdeckte vor 25 Jahren in der Ukraine eine Marktlücke: Instant-Nudeln!  Er nahm einen Kredit über 40 000 US-Dollar auf und verkaufte Instant-Nudeln unter dem Namen Miviva und hatte damit nachhaltig Erfolg. Die Miviva-Instant-Nudeln verkaufte er 2009 für 150 Millionen US-Dollar an Nestlé, kehrte aus der Ukraine in seine Heimat zurück und baute die Vingroup auf, die ihn zum reichsten Vietnamesen werden ließ - der jetzt eine eigene Automarke starten möchte. In Vietnam und bitte schnell, wie der Name sagt: „Vin“ steht für Vietnam und „fast“ ist das englische Wort für „schnell“. Eine weitere Schlüsselrolle spielt Vo Quong Hue ein, der das Bosch-Geschäft in Vietnam entwickelt und geführt hat. Deshalb wird das Unternehmen auch als Lieferant für große Teile der Fahrzeug-Elektronik gehandelt. Weitere globale Unternehmen, die man für Entwicklungsaufträge im Ausland kennt, sind unter anderem AVL und Magna.

Mit der ersten einheimischen Automarke will Vuong zunächst die eigenen Landsleute mobilisieren – mit den Standardtypen Limousine und SUV. Dafür sollen aus der Vingroup zunächst bis zu 3,5 Milliarden US-Dollar in die Auto-Marke fließen. Das entspricht etwa dem Vingroup-Jahresumsatz von 2017 mit 3,8 Milliarden US-Dollar (rund 3,3 Milliarden Euro). Führend im Bau- und Immobiliensektor, engagiert sich der Konzern bisher außerdem in Einzelhandel, Tourismus sowie in der Bildung, Landwirtschaft und im Gesundheitssektor. Mit einer Marktkapitalisierung von rund 32 Milliarden US-Dollar ist die Vingroup das landesweit größte private Unternehmen.

Angetrieben werden beide Modelle per Heckantrieb, das SUV wahlweise per Allrad. Die Kraft gelangt per ZF-Acht-Gang-Automatik an die Räder. Beide Modelle sollen vom Start weg höchste internationalen Sicherheitsstandards erfüllen. Als lokale Besonderheit verzichtet Vinfast jedoch vorerst auf einen Spurhalteassistenten. Wer das Chaos auf vietnamesischen Straßen kennt, weiß, weshalb. Das elegante Design stammt von Pininfarina und wurde im Oktober vergangenen Jahres von den Vietnamesen per Abstimmung ausgewählt und per markantem „V“ an der Front „vietnamisiert“, um einen eigenständigen, vietnamesischen Charakter zu erhalten. Denn Vinfast soll vom Start weg eine moderne Automobilmarke der oberen Mittelklasse werden – mit Premiumanspruch.

Anfangs peilt man Stückzahlen von 100.000 bis 200.000 Einheiten pro Jahr an, ab 2025 soll diese Zahl mit weiteren kompakteren Modellen auf 500.000 Einheiten steigen. Damit peilt Vinfast das volumenstärkste Automobilsegment und die Marktführerschaft im vietnamesischen Markt an, dazu soll auch der Export starten. Den CEO gibt James B. DeLuca, ehemaliger GM-Manager. Wo einst Wasser und Gelände war, steht jetzt ein 335 Hektar großes Produktionsareal in Hai Phong, im Norden Vietnams – das größte Industrieprojekt, das Vietnam je gesehen hat. Im nächsten Schritt folgt die Installation der Produktionstechnik. Und die folgt Industrie-4.0-Standard: Dafür erwarb man  von BMW die Rechte für den Einsatz spezieller Fertigungstechnologien erworben. Den Verbrenner-Modellen dürften mittelfristig auch elektrifizierte respektive rein elektrische Modelle folgen.

Was bedeutet das?

Es ist abzusehen, dass auch die Autoindustrie neben China und Indien weitere günstige Fertigungsstandorte aufziehen wird. Ungewöhnlich ist im Falle Vinfast dabei allerdings die Tatsache, dass hier kein bekannter Autokonzern in einem Land startet, das ebenfalls nicht für seine Autoindustrie bekannt ist. Auf die Entwicklung darf man gespannt sein. Ähnliche Anläufe unternahm man 1983 bei Proton in Malaysia, dahinter steckte allerdings der Staat: 2017 übernahm Geely 49,9 Prozent des malaysischen Herstellers.