I-Mobility-Rallye Stuttgart: Im Kia Soul EV durch Schwaben strömen

Gregor Soller

Unsere erste Teilnahme an einer E-Rallye sorgte für neue Erfahrungen: Die Ausläufer der Alb können die Reichweite massiv schwanken lassen – je nachdem, ob es bergan oder bergab geht.

Kia lud zur Teilnahme an der dritten i-mobility-Rallye in Stuttgart ein – und wir nahmen die Herausforderung im Soul EV an. Dank des neuen Akkus sollten selbst die 143 Kilometer der „großen“ Runde ein Klacks sein, wenngleich die Alb hier teils deutlich die Zähne zeigte. Die Strecke schlängelte sich auf Umwegen über Esslingen Richtung Göppingen bis zu Schloss Filseck bei Faurndau. Schnell schnurrte die Reichweite an den Steigungen zusammen und teils schien es fraglich, ob man die 143 Kilometer trotz zarten „Gasfußes“ überhaupt schaffen würde.

Doch wo es bergan geht, geht es auch wieder bergab und ebenso schnell wie die Zahl der verbliebenen Restkilometer sank, stieg sie an den längeren Gefällstrecken dann wieder, wobei der Kia in Sachen Modulation zunehmend „ruhiger“ wurde, je mehr Kilometer zurückgelegt waren. Erleichternd kam die einfache Bedienung des Soul hinzu, die noch über sehr viele logische Tasten abgewickelt wird und diverser Untermenüs entbehrt. Insofern Eco-Modus wählen und losstromern.

Doch zuvor wollte erst einmal die Bordkarte erstrampelt werden: Dazu hing ein Drucker an einem Fahrrad, mit dem der nötige Strom erzeugt wurde. Und nicht wenige Teilnehmer waren erstaunt, wie viel Strom so ein Zettel benötigt. Auch der Start verlief „sportlich“: Dazu musste der Beifahrer an den Startpunkt gehen, einen Buzzer drücken und zum weiter hinten stehenden Auto zurückrennen, einsteigen und sich anschnallen. Erst dann durfte der Fahrer Strom geben und selbst zum Startpunkt vorfahren, wo er den Buzzer abermals betätigte. Bis dahin lag der Soul EV samt seiner Besatzung noch gut im Rennen und man träumte sogar von den Top Ten.

Doch diese Hoffnungen machten die folgenden Wertungsprüfungen schnell zunichte: Das blinde Auffinden passender Schrauben und Muttern war für die zwei Nicht-Schrauber an Bord komplizierter als gedacht und als bei einer Reichweitenfrage der E-Golf mit dem Golf GTE verwechselt wurde, blieben abermals Punkte liegen.

Immerhin erreichten wir mit einer bequemen Restreichweite von gut 100 Kilometern Schloss Filseck, so dass die große Route gesetzt war. Dass der Soul EV beim extrem schnellen Beschleunigen über eine gewisse Distanz gegen die Porsche Panamera Turbo S E-Hybrid  und die Tesla auf verlorenem Posten kämpfte war klar. Eckart Eybl nutzte die Launch-Control für den Sieg dieser Disziplin und verwies damit den zweiten Panamera E-Hybrid und das Tesla Model S vom Team Electrify EnBw auf die Plätze zwei und drei.  

Weniger stark schnitten die Boliden bei der nächsten Wertungsprüfung ab – was allerdings auch für uns galt. Es galt, 12 Meter Distanz zurückzulegen – stattdessen wurden es deren 18! Und das in einem übersichtlichen Kasten wie dem Soul EV! Ausgerechnet ein Toyota Miraj – nicht eben für seine großartige Übersichtlichkeit bekannt, stoppte hier auf den Zentimeter (!) genau. Dabei zeigten Manfred Draschner und Bernhard Grünewald geradezu überragendes Augenmaß.  

Ein großes Fest feierte man dann in der Fairtrade-Gemeinde Köngen, dem Ort der letzten Wertungsprüfung. Hier interessierten sich viele Passanten für den Zieleinlauf der Stromer und informierten sich über die Fahrzeuge. Zeit, das letzte Stück Rückweg anzutreten, für das der Soul EV dann noch genug Reichweite parat hatte: Am Ende hätten wir noch 43 Kilometer weiter fahren können, womit der stromernde Koreaner zwei Ergebnisse präsentierte: Erstens: Trotz sparsamer Fahrweise zehren Steigungen und Beschleunigungsorgien stark an der Reichweite (Kia verspricht bis zu 250 Kilometer – allerdings nach Zyklus) und zweitens: Für den Alltag in der Alb genügt das Gebotene dann doch locker – sofern man zu Hause eine Lademöglichkeit hat. Dabei kommen dem Soul EV hier seine kompakten Abmessungen und die einfache Bedienung zu Gute.

Am Ende fuhren wir den Würfel dann auf einen ernüchternden 30. Platz, Sieger wurde nach sechs Wertungsprüfungen das Team Winter/Bellgardt auf einem Tesla Model X 90 D. Platz 2 ging an das Mitsubishi-Outlander PHEV-Team Schulz/Spatscheck und den dritten Rang holte das Duo Ersing/Dr. Kießler auf dem Citroen E-Mehari. Der ebenso wie der umgebaute 2 CV von Hans Jakob Sommerauer aus der Schweiz oder der selbst gebaute Kyburz-Roadster des Teams Diedrichs/Leicht bewies, dass Elektromobilität ganz schön bunt und spannend sein kann.

Was bedeutet das?

Wer im Alltag nicht weiter als 150 Kilometer zu pendeln hat und zu Hause oder in der Arbeit eine Lademöglichkeit hat, kann problemlos auf Elektromobilität umsteigen – sogar, wenn er am Fuße der Alb oder der Alpen wohnt!