Genf 2019: Starke Statements aus Frankreich und Italien

Gregor Soller

Das Duell Peugeot gegen Renault fand in Genf einen neuen Höhepunkt und auch FCA blickt wieder in die Zukunft.  

Ebenfalls immer für eine Überraschung gut sind in Genf die französischen und italienischen Hersteller. Und Peugeot kündigte den 208 an – auch als E-Version, die mit 100 kW unter 30.000 Euro ab 2020 verkauft werden soll. Innen: Schickes Design im 508-Stil, was das ganze Auto qualitativ und vom Image her hebt. Ähnlich bei Renault, wo man den leicht gewachsenen Clio wertiger ausstaffierte, um Polo und Co. wieder besser Paroli bieten zu können. Doch während PSA den 208 (sowie DS 3 Crossback e-Tense und Opel Corsa) als reine Stromer bringt, wird Renault vom Clio eine PHEV-Version anbieten. Den Strom-Part übernimmt auch künftig der Zoe. Bei Citroen lehnte man sich zum 100. Geburtstag mit der Studie Ami One Concept wieder mal ganz weit aus dem Fenster und brachte ein absolut minimalistisches Auto mit maximal vielen Gleichteilen, das sich tage- bis Jahresweise mieten lassen können soll und natürlich full connected ist.

Insofern legten die Franzosen in den Kernsegmenten nach, während es in Italien einmal mehr etwas ruhiger blieb: Alfa fährt die Gulietta tatsächlich in ihr neuntes Modelljahr (wir hätten hier einen neuen Heckantriebskompakten auf Gulia-Basis erwartet), zeigt aber nebenher immerhin die Studie Tonale, die auf das seit langem geplante kompakte SUV hinweisen sollen. Der Modellname stammt dann auch vom Tonale-Pass, nicht weit entfernt vom Stilfser Joch (Passo di Stelvio). Überfällig wäre ein solches Modell, zumal der Tonale optisch wieder absolut gelungen ist: Als Antrieb dient ein Hybridantriebsstrang, wobei zwei E-Motoren die hinteren Räder des Allradlers antreiben. Die Plattform des 500 X/Renegade ist dafür mittlerweile schon wieder zu alt und das Alfa-Modellportfolio bräuchte dringendst eine neue „Iniezione“ mit frischen Modellen. Immerhin kommen JeepCompass und Renegade als Plug-in-Hybride. Für den Renegade sollen so über 190 PS Systemleistung drin sein und die Elektrifizierung wäre eingeläutet.

Das darf gern auch für die Fiat-Studie Centoventi (120) zum 120. Geburtstag der Marke gelten. Das kleine Elektroauto könnte die Ankündigung des Panda-Nachfolgers auf FCAs neuer kompakter E-Plattfom sein, auf der auch der 500-Nachfolger stehen wird. Mit dem Standardakku soll der Kompakte 100 Kilometer schaffen und eher niedrigpreisig sein. Optional gibt es mehr Akkukapazität gegen Kauf oder Miete. Diese Extra-Batterien sollen per Gleitschiene unter dem Fahrzeugboden befestigt werden können. Dazu könnte man eine weitere Batterie einfach unter den Sitz schieben oder dessen Rückenlehne durch eine Kinderschale oder Cargobox ersetzen. Mit vollem Akkupaket sollen bis zu 500 Kilometer möglich sein. Flexibel auch die Karosserie: In der Regel in einer Farbe lackiert, aber mit verschiedenen Dächern, Stoßfängern, Radabdeckungen und Beklebungen individuell umzugestalten. Und das Armaturenbrett, groß wie einst im Panda, hat viele kleine Löcher, in die verschiedene Komponenten beliebiger Form und Funktion eingesteckt werden können.

Fiat sieht in seinem Geburtstagsgeschenk an sich ein Konzept, das auch in Carsharing-Flotten passt. Das Geschäftsmodell wäre dann das weniger das Auto, sondern dessen Nutzung und Zubehör. Vetreiben könnte das Alles Mopar. Einfache Stücke wie etwa ein Getränke- oder Dokumentenhalter könnten auch spontan auf einem 3D-Drucker gedruckt werden, vielleicht sogar zu Hause oder im Autohaus. Und weil FCA für High-Tech eher wenig Geld hat, könnte der künftige Panda stattdessen der preiswerteste Stromer auf dem Markt werden, außerdem natürlich der am besten zu reinigende.

Was bedeutet das?

Auch die französischen und italienischen Hersteller legen wieder massiv nach und bringen vor allem im Fall Fiat frischen Wind ins Kompaktsegment – den gerade FCA bitter nötig hat.