Genf 2018: Der Microlino - Isetta reloaded!

Gregor Soller

Die unglaubliche Story des Microlino.

Obwohl er einen niederländischen Namen trägt, ist er doch Schweizer und spricht durchaus "schwitzerdütsch": Wim Ouboter, der 1999 den Microscooter und das Kickboard entwickelte – da er es oft zu umständlich und/oder weit fand, die letzten Meter innerstädtisch zu Fuß zurückzulegen. "Ich wollte Produkte kreieren, die Spass machen und praktisch sind", erinnert er sich. Seine Idee wurde ein riesiger Erfolg und Micro Mobility Systems ist nun eine führende Marke in Produkten für die letzte Meile. Dass er eines Tages Autoproduzent werden würde, hatte Ouboter eigentlich gar nicht geplant, wie er freimütig zugibt. Denn eigentlich sei er im Grunde seines Herzens ein eher bequemer Mensch, weshalb er damals ja auch Microscooter und Kickboard erfand - weil er einfach "zu faul zum Laufen" war! Dafür sprudelt sein Geist nur so vor Ideen, die auch seine Söhne begeistern.

Und die, Merlin und Oliver Ouboter, sind mittlerweile fest mit involviert: "Ich erinnere mich, wie ich zusammen mit meinem Vater und meinem Bruder einen Beitrag über eine elektrifizierte ISO Rivolta gesehen habe. Wir wussten sofort, dass diese Kabinenroller aus den 50ern perfekt für die Mobilität in Städten wäre", sagt Merlin, Wim Ouboters jüngerer Sohn. In Zusammenarbeit mit der Fachhochschule ZHAW und Designwerk wurden mehrere Designstudien entworfen, um dieses Konzept in ein Fahrzeug der Zukunft zu verwandeln. Für Testzwecke wurde eine alte Isetta elektrifiziert, um die Resultate zu analysieren und das Gefühl für ein solch kleines Auto zu bekommen. Die positive Rückmeldung führte dazu, einen richtigen Prototypen zu bauen, erinnert sich Oliver Ouboter.

Der Prototyp wurde zum ersten Mal am Genfer Autosalon vorgestellt. Insgesamt generierte dies über 200 Millionen Medienkontakte und mehr als 500 Bestellungen gingen innerhalb einer Woche ein. Seit Februar 2016 gingen mehr als 2600 Bestellungen ein. Jetzt war man in der Pflicht, in die Serie zu gehen. Das Microlino Team schloss sich mit Tazzari zusammen, einem italienischen Elektrofahrzeug-Hersteller mit zehn Jahren Erfahrung. Das Joint Venture hob das Projekt auf ein neues Level. Während Tazzari sich auf die technischen Aspekte fokussiert, ist Microlino verantwortlich für Design, Marketing und Distribution, erklärt Wim Ouboter.

Seit April 2016 entwickelt Tazzari die nächsten Prototypen, welche so nah wie möglich an der Serienproduktion sein sollten. Die Produktion wird Anfang 2018 in der Fabrik von Tazzari im Herzen des Motor Valley in Italien starten, womit die «Isetta-Nachfolgerin» wieder aus Italien kommt und sich für Ouboter ein Kreis schließt. Der Vertriebs-Fokus wird vorerst auf dem europäischen Markt liegen, andere Märkte solln aber bald folgen. Dies soll über Lizenzen geschehen. So kann die Produktion und Distirbution in den jeweiligen Ländern organisiert werden. Momentan ist das Microlino Team auf der Suche nach Partnern ausserhalb von Europa und wird ihnen helfen, die Produktion für den Microlino zu starten. Dieses Lizenzsystem ermöglicht die Schaffung von lokalen Arbeitsplätzen, vermeidet hohe Importzölle (z.B Brasilien) und reduziert CO2-Emissionen, da die Transportwege kürzer werden. Konkrete Anfragen gibt es bereits aus Spanien und China.

Die Produktion soll noch 2018 starten. Die ersten Modelle werden in Zürich und der Schweiz verkauft werden. Als zweites Land ist Deutschland geplant.

Was bedeutet das?

Der Microlino wird seinen Weg machen und parkt genau in der Lücke zwischen Zweirad und Pkw, in der er 80 Prozent der täglichen Mobilitäts-Bedarfe abdecken kann.